“Shockproof Filmfestival” - Schockierend schön

Bucket of Blood
Mal ehrlich: Würdet ihr eine Veranstaltung besuchen, die mit Schlagwörtern wie unästhetisch, Ekel und Schock wirbt? In deren Werbetrailer sich ein junger Mann zwischen den Beinen seiner Freundin übergibt? Und bei der von Porno bis Splatter alles „Außergewöhnliche“, was die Filmgeschichte zu bieten hat, bedient wird? Nun sage ich ganz ehrlich: Ja, ihr solltet dort unbedingt hingehen - es handelt sich nämlich um das alljährliche Prager „Shockproof Filmfestival“, das in diesen Tagen zum vierten Mal im Aero-Kino stattfand und gestern mit dem Ed-Wood-Film „Plan 9 from outer space“ zu Ende ging.

Das Aero-Kino, schon seit Jahrzehnten als bestes Programmkino Prags bekannt, wirft zumindest während dieses Festivals den ästhetischen Gusto über Bord und widmet sich ganz anderen „Juwelen“ der Filmgeschichte. Bewundern konnte man als gewillter Zuschauer zum Beispiel einen noch sehr jungen David Hasselhoff mit eindrucksvoller Föhnfrisur in dem Weltraum-Streifen „Starcrash“. Für andere, die auch ihr Steak im Restaurant mal blutig bestellen und generell für allerlei Zerhacke, Geschlitze und Spalterei zu haben sind, wurden vor allem frühe Splatterfilme aus den 60ern gezeigt. Natürlich steht bei dieser Untergattung des Horrorfilms die Darstellung von exzessiver Gewalt und Blutgespritze im Vordergrund.

Abschrecken lassen sollte sich von derartigen Aussichten aber niemand, denn ein Splatter-Klassiker wie „Blood Feast“ von 1963 kann heutzutage nicht mehr schocken und wird unfreiwillig zur Komödie. So beschreibt denn auch das Programmheft diesen allerersten Splatter-Streifen der Filmgeschichte, der Regisseure wie Peter Jackson („Brain Dead“) inspiriert hat, als „nicht gut, aber der erste seiner Art.“ Hölzerne Dialoge, kaum beschreibbare mangelnde schauspielerische Fähigkeiten, miserable Ausleuchtung, amateurhafte Kameraführung und Montage, lächerlich flache Charaktere und aus heutiger Sicht fast schon langweilige Tötungsszenen treiben dem Cineasten Tränen in die Augen – vor Lachen. Ein „Must-See“ für jeden Filmliebhaber, der einen amüsanten Abend garantiert.

Ein weiteres Highlight des Festivals war der „Porno Tag“, an dem natürlich „Deep Throat“ (1972) ganz oben auf der Liste stand. Abgedreht wurde der Film in einer Zeit, als es vor allem in den USA als „chic“ galt, Pornos in „normalen“ Kinos zu zeigen, sie zu sehen und anschließend darüber mit Freunden und Bekannten zu diskutieren. Ob dieser damals so tabubrüchige Porno heute noch genügend Stoff für Diskussionen bietet, bleibt genau wie bei den Horror-Klassikern fraglich. Viel anstößiger mit radikalen Tendenzen und viel nackter Haut kommt dagegen der zeitgenössische tschechische Film „After the cunt your dick will fall off“ von Videokünstler Mark Ther daher. Projekte wie dieses werfen die Frage auf, in welche Richtung sich der tschechische Underground-Film in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Und nun ganz ehrlich: Wenn ihr das Shockproof Filmfestival in diesem Jahr verpasst habt, markiert es sofort in eurem Kalender für 2009. Kinoliebhaber, Cineasten, Menschen mit dem Sinn fürs Außergewöhnliche, Verquere und Schräge kommen voll auf ihre Kosten. Alle anderen sollten sich vielleicht doch vom Werbetrailer abschrecken lassen und zuhause „Pretty Woman“ mit etwas Popcorn genießen.

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