“One World” - Das Festivaltagebuch Teil 1

Ich hatte mich auf den Abend gefreut. Gestern begann nämlich das zehnte „One World“-Dokumentarfilmfestival in Prag und ich wollte das erste Mal mit dabei sein. Bei diesem Festival werden noch die ganze Woche über (bis zum 13. März) in mehreren Prager Kinos Dokumentarfilme zum Thema Menschenrechte, Armut, Ungerechtigkeit und Diktatur gezeigt.

Ja, ich hatte mich wirklich auf den Abend gefreut. Natürlich sollte es kein leichter und vergnügter Kinoabend werden, denn ein Eröffnungsfilm mit dem Titel „The greatest silence - Rape in the Congo“ lässt schwere Kost, tragische Geschichten und verletzte Seelen erwarten. Ich war darauf eingestellt, dass ich nach der Filmvorführung in fassungslose Gesichter der anderen Zuschauer sehen werde und von der Regisseurin, die zur anschließenden Diskussion eingeladen war, bewegende Worte zu hören bekomme. Aber nichts davon geschah - oder zumindest war ich nicht dabei…

Vierzig Minuten vor Vorstellungsbeginn war ich nach langem Schlangestehen endlich vorne an der Kasse des Svĕtozor Kinos angekommen und wollte mir ein Ticket kaufen. Die Dame hinter der Glasscheibe wies nur freundlich auf das Schild neben ihr, auf dem stand „Congo - Sold out“. Es waren keine Karten mehr zu bekommen. Dieses Schild hatte ich natürlich nicht gesehen und geduldig in der Schlange gewartet. Etwas enttäuscht, aber noch nicht entmutigt eilte ich ins Lucerna Kino gegenüber. Ich wusste nämlich, dass der Eröffnungsfilm auch hier eine halbe Stunde später laufen sollte.

Ortswechsel, aber gleiches Prozedere: Schlange stehen und von einer netten Dame erfahren, dass die Vorstellung zwar nicht ausverkauft, aber nur für Menschen mit einer offiziellen Einladung zugänglich sei. Da ich weder Regisseurin, Jurymitglied oder eine bekannte Lokalpolitikerin bin, konnte ich natürlich keine solche Einladung vorweisen - und ging entmutigt nach Hause zurück. Das „Eine Welt“-Festival hat gestern Abend geschlossene Gesellschaft gespielt - und mich leider draußen stehen lassen. Aber in den nächsten Tagen versuche ich es tapfer weiter, bei 138 verschiedenen Filmen werde ich bestimmt irgendwann erfolgreich im Kinosaal ankommen.

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