“One World” - Das Festivaltagebuch Teil 2

One WorldGestern Abend war es soweit: Ich habe den ersten Film im Rahmen des Filmfestivals „One World“ gesehen. Genauer gesagt, sogar mehrere: Im Französischen Institut wurden zunächst drei Kurzfilme junger burmesischer Regisseure gezeigt, danach eine zehnminütige Collage zu den Aufständen und Protestmärschen in Burma im Herbst letzten Jahres und schließlich die halbstündige Dokumentation „Prayer of Peace“. Der Abend stand also ganz im Zeichen von Burma, einem Land, das bereits seit über 60 (!!!) Jahren unter einem Militärregime zu leiden hat.

Während der Vorführung dabei und anschließend bereit zu einer emotionalen Debatte waren die burmesische Bürgerrechtsaktivistin Lae Lae Nwe und der burmesische Journalist Zin Min. Beide leben derzeit nicht in ihrem Heimatland, sie müssten sonst um ihre Sicherheit und ihr Leben bangen. Von Thailand oder den USA aus versuchen beide, die Proteste und Widerstände in ihrer Heimat zu unterstützen, die vor einigen Monaten auch in der internationalen Berichterstattung Beachtung fanden. Was im September 2007 so groß in den Medien aufgezogen wurde mit den Bildern von buddhistischen Mönchen, die von bewaffneten Soldaten inhaftiert wurden, scheint 2008 so gut wie vergessen. Die Medien haben dieses Thema abgegrast, haben ein paar Wochen lang ihr Mitgefühl für das burmesische Volk bekundet und genauso schnell wieder vergessen.

Prayer of PeaceDoch was Lae Lae Nwe und Zin Min zu berichten haben, verdient mehr als eine 30-zeilige Meldung in der „Aus aller Welt“-Rubrik. Die ganze Welt sollte aufstehen und aufschreien bei Ungerechtigkeiten und Verbrechen, wie sie der Journalist Zin Min erfahren hat: Freunde von ihm wurden bereits gefoltert, inhaftiert oder getötet. Sein Bruder wurde letzte Woche verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, im Besitz „illegaler Dokumente“ zu sein - dabei handelt es sich um nichts anderes als eine Abfassung der Menschenrechte. Aber ist ja logisch: Ein Regime, das das Wort Menschenrechte wahrscheinlich nicht einmal buchstabieren kann, geschweige denn im Entferntesten wüsste, was damit gemeint ist, MUSS diese Papiere als illegal bewerten, um ungehindert weiter dagegen verstoßen zu können.

Auch das World Wide Web findet seine Grenze an den Landesgrenzen Burmas. Lae Lae Nwe erzählt, dass jeder einzelne Zugang zum Internet vom Militär streng überwacht wird. Nur unter Vorlage des Ausweises und dem Hinterlassen der exakten Adresse ist es einigen wenigen gestattet, das Internet zu nutzen. Dabei wird alle fünf Minuten ein Screenshot, also ein Standbild des Computerbildschirms, erstellt, um festzuhalten, welche Webseiten besucht wurden. Ein Kontakt zu anderen Kritikern, anderen Ländern, gar auswärtigen Medien, soll auf diese Weise unterbunden werden. So viel also zu den unbegrenzten Möglichkeiten des World Wide Webs.

Es braucht letztlich vor allem Veranstaltungen wie diese, um die Weltöffentlichkeit auf die andauernde Unterdrückung des burmesischen Volks aufmerksam zu machen. Hoffentlich führt die emotionale Bewegung, die gestern im Publikum zu spüren war, bald auch zu einer politischen Bewegung in Burma Richtung Freiheit und Gerechtigkeit.

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