“One World” - Das Festivaltagebuch Teil 3
George Clooney und Don Cheadle (bekannt aus „Hotel Ruanda“) gemeinsam in einem Film? Ein Gastauftritt von „Governator“ Arnold Schwarzenegger? Sechs Handlungsstränge, die sich zu einem gemeinsamen Thema verweben? Musik von Stevie Wonder und U2-Sänger Bono? Und dann auch noch eine Danksagung an Steven Spielberg im Abspann? Oh ja, Hollywood hat Einzug gehalten beim „One World“-Filmfestival…
„Darfur Now“ ist einer der Filme, die im Hauptwettbewerb des Festivals laufen. Und genau da gehört er auch hin: Auf die große Bühne, in den Mittelpunkt des Interesses, denn exakt dafür ist er gemacht: Für den ganz großen Auftritt. Man merkt dem Film an, dass er aus Hollywood kommt, dass Geld hinter der Produktion steckt und dass sehr gute Fachleute, die ihr Handwerk aufs Beste verstehen, daran gearbeitet haben. Aus film-ästhetischer Sicht gibt es nichts zu kritisieren, weder die poetischen Landschaftsaufnahmen, noch die Musik, die einfach immer perfekt in die jeweilige Stimmung passt. Der Film hat Tempo, Ruhe, Emotionen, Verstand. Und außerdem Filmstars, die für das Happy End sorgen.
Aber von vorne: In Darfur, eine Region im Sudan, herrscht seit 2003 ein Konflikt, der bis heute mehr als 200.000 Leben forderte und etwa 2,5 Millionen Menschen zu Flüchtlingen in der eigenen Heimat machte. In dem Dokumentarfilm von Theodore Braun erzählen mehrere Vertriebene von Überfällen auf ihre Dörfer, von Vergewaltigungen und unzähligen Tötungen. Vor allem die arabischen Milizen Dschandschawid werden dieser Verbrechen, manche sprechen sogar von „ethnischen Säuberungen“, beschuldigt. Der Film begleitet sechs Hauptpersonen, die in unterschiedlicher Weise mit dem Darfur-Konflikt beschäftigt sind, u. a. eben auch Filmstar Don Cheadle. Er macht sich gemeinsam mit George Clooney für einen Gesetzesentwurf stark, der Investitionen Kaliforniens im Sudan verbietet, um so Druck auf die sudanesische Regierung auszuüben. Das Leben in Hollywood schreibt uns ein Happy End und Gouverneur Schwarzenegger segnet das Gesetz ab.
Natürlich ist das eine positive Entwicklung. Natürlich kann und sollte man sich darüber freuen. Und natürlich könnte man dies als Happy End so stehen lassen. Aber dann bleibt die unangenehme Frage im Hinterkopf: Was bringt das den Menschen in Darfur? Was bewirkt es jetzt und heute? Ist es nicht leider eine zu simple Hollywood-Version des ganzen Dramas? Wir erhalten die ewig-amerikanische Botschaft: Wir können alles erreichen, wenn wir nur stark daran glauben und hart genug dafür arbeiten. Viel wirksamer aber wäre es zu sagen: Lehnt euch nicht gemütlich im Kinosessel zurück mit dem Gedanken, dass George Clooney sich schon darum kümmern wird. Dass George Clooney für den Frieden in Darfur kämpft und das wohl genügt. Wir alle sollten lieber sagen: Das ist noch lange nicht genug! – Und ganz am Ende, also ganz am Ende des Abspanns, als schon viele Zuschauer den Kinosaal am Verlassen sind, kommt auch dieser Schluss noch im Film vor: Die Aufforderung „Act – Help – Save – Darfur Now“. Mit dieser Version des Endes bin ich mehr als einverstanden.
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