Å vankmajers “Food” (Teil 3): Dinner For One

Chaplins GoldrauschCineasten werden es sicherlich nicht übersehen haben: Am surrealistischen Mittagstisch wimmelt es nur so von Zitaten des Charlie-Chaplin-Klassikers “Goldrausch”. In einer der berühmtesten Szenen verspeist Chaplin dort als eingeschneiter hungriger Tramp genüsslich seinen eigenen Schuh. Den hatte er zuvor als Thanksgiving-Festmahl für sich und seinen Kumpel Big Jim (Mack Swain) in einer windschiefen Goldgräberhütte gekocht.

In einer weiteren Szene des Stummfilms aus dem Jahr 1925 verwandelt sich Chaplin in den Augen seines vor Hunger bereits fast wahnsinnig gewordenen Leidensgenossen in ein riesiges Hähnchen und entkommt nur knapp gewetztem Messer und Kochtopf (”Chicken or no chicken, his friend looks appetizing”).

Chaplin hatte sich bei dem Plot übrigens von einer wahren Begebenheit inspirieren lassen, nämlich von der sogenannten Donner-Tragödie: Ein Goldsuchertreck unter der Leitung von George Donner war 1846 in der Sierra Nevada vom Schnee eingeschlossen worden. Als der 87-köpfigen Gruppe die Nahrungsvorräte ausgingen, wurden zunächst die Nutz- und Lastentiere verspeist. Später kochten die verzweifelten Menschen tatsächlich das Leder ihrer Schneeschuhe und begannen schließlich, das Fleisch ihrer Toten zu essen.

Damit wären wir auch beim dritten und letzten Teil von Jan Å vankmajers “Food” angelangt. Den Privatisierungs-Goldrausch der 90er Jahre vorwegnehmend, zwischen Nouvelle Cuisine und Slow Food, zwischen Stern auf der Kühlerhaube und im Guide Michelin, wird hier die Menschenfresserei als snobistische Inszenierung und Selbstbefriedigung zelebriert - bis zum bitteren, volkstümlichen Ende mit Bier, Knödeln und Gulasch à la Armin Meiwes. Guten Appetit jedenfalls und Film ab…

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