Frohe Ostern! Veselé Velikonoce! – Über Osterbräuche hier und dort
Ostern feiert man jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Die ganze Familie trifft sich zu Hause, man wandert den Kreuzweg, färbt Ostereier, die man am Morgen des Ostersonntag im Garten sucht, wo der Osterhase sie wieder mal versteckt hat, spielt „Eiertitschen“, steht am Osterfeuer, geht in die Kirche und besucht Verwandten.
So war es für mich jedenfalls - über die letzten 20 Jahre hinweg. Dieses Jahr ist alles anders. Ich bin in Prag, weit weg von meiner Familie und deutschen Osterbräuchen.
Schon seit zwei Wochen finden auf dem Wenzelsplatz sowie auf dem Altstädter Ring Ostermärkte statt. Überall stehen kleine, rote Holzbuden, die hauptsächlich Kulinarisches und Souvenirs, aber auch Ostereier und sonstiges Handwerk verkaufen. Mitten auf dem Platz ragt eine riesige Birke empor, die - wie die Holzbuden - mit Plastikeiern und bunten Schleifen geschmückt ist. Es gibt außerdem eine Bühne, auf der Musiker spielen und Tombolas stattfinden und einen ebenfalls reich verzierten „Auskuck“, auf den man hinaufsteigen und von dem aus man das Geschehen auf dem Platze beobachten kann. Das ganze ähnelt sehr stark dem, was wir als Weihnachtsmarkt bezeichnen.

Der Ostermarkt auf dem Wenzelsplatz
Und nicht nur die Ostermärkte erinnern an die Weihnachtszeit. So kann man in den letzten Wochen überall in Prag „Osterkalender“ kaufen: Kalender mit 24 Türchen, hinter denen sich Schokolade in Form von Hasen, Eiern oder Hühnern verbirgt. Letzte Woche fragte ich eine Tschechin, ob der Osterkalender etwas sehr traditionelles sei und nach welchem Prinzip er funktioniert, da der Ostermontag ja nicht immer zufällig auf den 24. eines Monats fällt. Auf meine Frage hin, war sie ganz überrascht und meinte, die Osterkalender werden doch alle aus Deutschland importiert, weshalb sie gedacht habe, es handele sich um eine deutsche Tradition. Ich war verwirrt und frage euch: Hat irgendwer in Deutschland schon einmal einen Osterkalender gesehen?
Das Osterfest scheint in der Tschechischen Republik, vor allem auf den Dörfern, ein sehr traditionelles Fest zu sein. So gibt es neben den bunt bemalten Ostereiern, die man überall in der Stadt kaufen kann, und einem landesweiten Ostereier-Wettbewerb den Brauch, dass es Männern am Ostermontag erlaubt ist, Frauen mit Ruten aus Weidenkätzchen („pomlázka“ genannt) „zart“ auszupeitschen und mit Wasser zu bespritzen. Dies angeblich, um ihnen Jugendlichkeit, Gesundheit und Fruchtbarkeit zu bescheren. Als ich gestern durch die Stadt lief, habe ich wirklich viele junge Männer mit Weidenruten herumlaufen sehen und siehe da, auch in unserer Wohnung haben wir zwei pomlázkas gefunden, die die ganze Zeit über unbemerkt in der Küche standen und bis gestern keinem aufgefallen sind.
Während man sich über die seltsamen Osterbräuche in anderen Ländern wundert, so kommt einem die eigene Art und Weise, Ostern zu feiern, ganz normal vor. Dass dies jedoch nicht so ist, weiß ich, nachdem ich das Osterfest mit drei Franzosen in Prag verbracht habe. Als ich ihnen etwas wehmütig erzählte, dass es das erste Jahr ohne das Suchen gefärbter Ostereier im Garten sei, schauten sie mich ganz verstört an und wollten wissen, wieso wir gekochte Eier färben und dann auch noch verstecken! Belustigt darüber, dass meine Mitbewohner wirklich noch nie Ostereier gesehen hatten (in Frankreich gibt es nur Schokoladeneier), habe ich meinen Freund, der über das Wochenende zu Besuch war, gebeten, Ostereierfarbe mitzubringen.

Gefärbte Ostereier - nur in Deutschland?
Umringt von drei Franzosen, die wie kleine Kinder staunten, mich fotografierten und die bunten Eier fasziniert in ihren Händen drehten, stand ich so Samstagabend in der Küche und habe Ostereier gefärbt. Hielten meine Mitbewohner die Deutschen zu diesem Zeitpunkt schon für ein bisschen komisch, so wurden wir beim „Eiertitschen“ am Sonntagmorgen dann endgültig für verrückt erklärt.
Was den Brauch des Eiertitschens angeht, bin ich mir allerdings auch nicht so sicher, ob das vielleicht eine Erfindung meiner Familie ist. Gibt es sonst noch jemand, der die Ostereier vor dem Verzehr aneinander „titscht“, bis die Schale gebrochen ist? ![]()
Die neuesten Beiträge von Charlotte Palm
- Na shledanou! - 13.06.2008
- Das Prager Fringe Festival – international, alternativ, vielfältig - 01.06.2008
- Alles (bloß) Theater? Adolf – ein Experiment im Rahmen des Fringe Festivals - 29.05.2008
- Den Sommer verbringen in Prager Gärten und Parks... - 28.05.2008
- Samstag, 17. Mai - eine Horde Untoter fällt über Prag her - 20.05.2008
- Unialltag Teil 3 – Die Vorlesungszeit neigt sich dem Ende zu - 16.05.2008
- Und auf einmal sprachen sie alle Deutsch - Interkulturelle Kommunikation Teil 6 - 12.05.2008

Früher nahmen die Kinder ihre Eier und versuchten im Dorf durch Eiertitschen mit anderen die Anzahl der Eier zu vermehren. Denn die kaputten Eier durfte der mit dem Ganzen behalten.
Grüße Papa