Frankreich – das Land der Spitzenköche und Gourmets? Und: wie man an einen Mixer heran kommt

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Nachdem wir gestern Nacht um zwölf im Zimmer meines französischen Mitbewohners standen und zu seinem Geburtstag „Joyeuse anniversaire“ zum Besten gaben, sollte für heute Abend ein Festmahl auf dem Plan stehen.

Dass es ein großes Abendessen geben sollte, hatten meine zwei französischen Mitbewohnerinnen mir schon letzte Woche mitgeteilt. Ich überlegte, in welcher Form ich wohl auch einen Beitrag leisten könne und entschied mich für einen Dessert. Doch welchen? Pudding? Zu deutsch… Tiramisu? Nee, zu italienisch… Was bleibt da übrig?

Mousse au Chocolat! Natürlich! 

Als routinierte und nahezu perfekte Mousse-au-Chocolat-Zubereiterin habe ich das Rezept natürlich im Kopf und teilte den Plan den anderen zwei Köchinnen mit. „Mousse au Chocolat? Oh, ich weiß nicht, ob er das mag. Der ist ja immer sehr kompliziert, was das Essen angeht. Ich dachte an Schokoladenkuchen!“ Es gibt Leute, die keine Mousse au Chocolat mögen?? Na gut. Wenig später teilte man mir mit, dass ich doch Mousse au Chocolat zubereiten solle. Das wäre doch vielleicht mal was ganz Neues. Neues!? Auch gut. Einziges Problem: Die Küche in unserer sonst wirklich luxeriösen Wohnung ist so schlecht ausgestattet, dass sich nirgendwo ein elektrischer Mixer fand. 

Besessen von der Idee, nun unbedingt eine Mousse machen zu wollen, lief ich so heute Nachmittag durch das ganze Haus, um mir vielleicht irgendwo einen Mixer leihen zu können. An den ersten drei Türen scheiterte ich mal wieder auf Grund meiner fehlenden Tschechischkenntnisse. An der vierten Tür jedoch machte mir ein vielleicht fünfzigjähriger Mann in Lederjacke auf, der gerade telefonierte und mir achselzuckend irgendwelche tschechischen  Wörter entgegen rief. „Äh… do you speak English?“ „No, I only speak French!“ (erwiederte er wohlgemerkt in Englisch). “Ah oui, j’ai besoin d’un mixeur…” Zum Glück hatte ich in der Schule einmal Französisch gelernt. Es war allerdings schon ein bisschen absurd, dass ich bei einem Tschechen in der Wohnung stand und nun auf Französisch um einen Mixer bat, wo ich mich fünf Minuten zuvor mit meinen französsichen Mitbewohnern noch auf Englisch über das Abendessen unterhalten hatte. Man bat mich jedenfalls herein und siehe da, ich fand, im Gegensatz zum Wohnungsinhaber, der orientierungslos in alle Schränke schaute, sogar einen Mixer, woraufhin der Tscheche mich sofort zur Frau nehmen wollte. Äh…. 

…naja, ein wenig erleichtert zurück in meiner Wohnung habe ich dann angefangen, Mousse au Chocolat zuzubereiten. War ich bis heute davon ausgegangen, dass Mousse au Chocolat eine französische Delikatesse sei, so hatten die zwei Französinnen zu meinem Erstaunen noch nie gesehen, wie man Mousse macht und standen mit einem Notizblock neben mir, um sich das Rezept aufzuschreiben.

„Kannst du uns vielleicht noch zeigen, wie man eine Béchamelsoße macht?“ Klar, auch das kann ich. Nur: Mousse au Chocolat, Béchamel – sind das nicht sehr französisch klingende Wörter? 

Wieder einmal wird mein Weltbild bzw. das Bild, was man von den übrigen Bewohnern dieser Erde so hat, komplett über den Haufen geworfen. 

P.S.: Im Rahmen einer vierstündigen Crèpes-Session fragte, eine der Französinnen letztens, ob sie ein bisschen Bier in den Teig geben dürfe, ihre Mutter mache das immer zu Hause. Bier im Crèpe? Klingt das nicht nach einer sehr deutschen Idee??

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