Blauer Dunst und grüne Brille

Es war einmal der blaue Dunst. Der blaue Dunst strömte aus Zigaretten, Zigarren und Zigarillos und durchzog die Luft in Bars, Kneipen, Restaurants und vor allem Diskotheken. Dann entschied sich ein Rat der Weisen für das Rauchverbot und der blaue Dunst wurde in die Kälte nach draußen verbannt.

So hört man es zumindest aus dem fernen Deutschland. Hier in Prag allerdings will von Rauchverbot niemand etwas wissen und es wird sogar noch etwas exotischer: Denn manchmal ist der Kneipen-Dunst nicht mehr so blau wie der Himmel, sondern so grün wie das Gras…

Gut, so langsam, nach fast zwei Monaten in Prag gewöhnt man sich wieder an die allabendlich verrauchte Kleidung. Sogar ein Cafébesuch am Nachmittag lässt einen nach durchzechter Kneipennacht riechen. Ein Rauchverbot in Gaststätten existiert in Tschechien nämlich noch (lange) nicht und man denkt schon beinahe mit nostalgischem Gefühl zurück an die gute, alte, rauchfreie Zeit in Deutschland.

Was die Sache aber delikat macht, ist der süßlich-schwere Duft, der sich bisweilen durch die blauen Schwaden zieht und den auch das unschuldigste Näschen als Marihuana identifizieren kann. Nicht nur in dunklen Kellerräumen, in denen (ganz das Klischee bedienend) Reggae-Musik läuft und die Wände mit bunten Tüchern geschmückt sind, kann dieser grüne Dunst gewittert werden.

In der durchschnittlichsten Kneipe oder im Touristen-Café nebenan wird zu Bier oder Kaffee ein Joint gebaut und ganz ungeniert geraucht. Es kann sogar der gelangweilte Kellner selbst kiffend an der Theke sitzen. Den Ausländer und Neuankömmling mag’s verwundern, stören oder freuen: Aber Marihuana wird in Tschechien wohl fast so selbstverständlich geraucht wie normaler Tabak.

Wen wundert da noch das Ergebnis des letzten Jahresberichts der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht: Tschechische Jugendliche bis 24 Jahre sind im europäischen Vergleich die Spitzenkonsumenten von Marihuana. Dabei hat uns doch bereits Helge Schneider gelehrt: „Marihuana isse nit gutta…“

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2 Reaktionen

31. März 2008, 18.00 Uhr [1] Charlotte Palm sagt:

Um zu zeigen, wie etabliert das Marihuana-Rauchen an öffentlichen Plätzen ist: Ich habe mir Samstagabend um acht Uhr eine Kugel Eis in einer Eisdiele gekauft. Als ich gerade gehen wollte, taucht hinter mir ein Typ auf und fragt die Verkäuferin ganz selbstverständlich: “Do you sell Marihuana!?” Äh klar, warum sollte es in einer Eisdiele nicht auch ein bisschen Gras zu kaufen geben?

1. April 2008, 10.35 Uhr [2] Regina Schneider sagt:

……ach Kind, du kaufst dir aber bitte nur ein Eis!!

deine Mama ;-)))

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