Wie es ist, wenn jeder jedem einen Teil seiner Kultur nahe bringen möchte – Interkulturelle Kommunikation Teil 3

Kokko, kokoo koko kokko. Koko kokkoko? Koko kokko!

Was hier nach einer Unterhaltung zwischen Hühnern klingt, ist in Wirklichkeit ein Dialog zwischen zwei Finnen. Es geht um Kokko, der das Mitsommernachtsfeuer anzünden soll.

So lernt man von fast jedem Studenten ein paar Worte und Ausdrücke seiner Muttersprache. Nach ein paar Wochen weiß ich in verschiedensten Sprachen auszudrücken, dass ich jemanden liebe oder mag, wie man schimpft und sich zuprostet und habe auch schon einige Kommilitonen im Deutschen unterrichtet. (Beim Unterrichten der Deutschen Sprache ist dabei besondere Vorsicht geboten! Sonst kommen dabei Dialoge heraus wie „Hallo, ich bin X!“. „Hallo, ich bin Y!“ „Wie geht’s dir X?“, „Dankaschön, gut, Schlampe!“)  

Man lebt mit Franzosen und Mexikanern, trifft Leute aus Israel, Dänemark und Weißrussland. Wird von Tschechen, Amerikanern und Deutschen unterrichtet… 

…diskutiert mit Mexikanern über die bestehende Grenzproblematik zwischen Mexiko und den USA, mit Franzosen über ihren charmanten Präsidenten Sarkozy, mit Finnen über Nokia oder erklärt, was man selbst über die deutsche Vergangenheit denkt. 

Man serviert typisch deutsche Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei, kostet tschechische Knödel und Pivo, französiche Quiche Lorraine, Crèpes, Aperitif und seltsame mexikanische Süßigkeiten, die süß-sauer-scharf-salzig und nach Datteln schmecken. 

Man tauscht Musik, Filme, Geschichten, Sprichwörter und Weisheiten untereinander aus, die der Heimatkultur entstammen. Wobei einem nicht selten bewusst wird, wie bescheuert und sinnfrei eigene „Kultur“-Güter wie zum Beispiel das Lied „Fiesta Mexikana“ oder andere Lieder, die Mexiko besingen doch sein können. Vor allem beim Thema Fußball – „54, 74, 90, 2010“ vs. „Zidane il  a frappé“ („Zidane hat losgeschlagen“) - kommen dabei nicht selten Nationalgefühle hoch und es kommt vor, dass man Franzosen davon überzeugen muss, dass man bei der WM 2006 nicht Weltmeister geworden ist. 

Man lernt Sitten, Bräuche und Weltbilder anderer Länder kennen: wie sich begrüßt wird, wie man lernt, in der Arbeitswelt miteinander umgeht und wie es mit der Beziehung zwischen Mann und Frau ist (darüber in einem späteren Eintrag ausführlicher). So denkt man nicht selten auch über die eigenen Wertvorstellungen, Traditionen, Lebens- und Lernweisen nach (siehe zum Beispiel deutsche Osterbräuche). Ich finde es sehr schön und faszinierend, mit so vielen verschiedenen Menschen aus allen denkbaren Ländern zusammen zutreffen und sich dabei so wenig fremd zu sein. 

Mein französischer Mitbewohner hat mir erzählt, dass sein Opa furchtbar glücklich darüber sei, dass er mit einer Deutschen zusammen wohne - vor gar nicht allzu langer Zeit wäre dies unmöglich gewesen. 

Ist es vielleicht gar nicht so selbstverständlich, wie es scheint, dass Studenten aller Länder zusammen leben, lachen, tanzen, singen? Wie groß oder klein, sind die Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen und Ländern wirklich und wie sieht die Zukunft all dessen aus?

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