Wie man Geld bekommt, ohne etwas dafür zu tun - Das Geheimnis um „die Liste“

Ziellos von Gebäude zu Gebäude, fragend durch zahlreiche, enge Gänge und Gassen laufend, kommt einem das Suchen passend zum Schauplatz fast schon ein bisschen kafkaesk vor: Jagten wir in der ersten Woche nach unserer Ankunft einem ominösen „Buch“ hinterher, das die Antwort auf alle unsere Fragen sein sollte (es handelte sich dabei um ein stinknormales Vorlesungsverzeichnis), so kursierten in den letzten Wochen Gerüchte um Geld und eine „Liste“, die sich in den Gemächern einer Bank befinden sollte.

Steht man als Erasmus-Student auf dieser Liste, so bekommt man angeblich einfach so ca. 150 Euro ausgezahlt.

Dass man sich bei irgendeiner Bank Geld abholen könne, hatte ich bereits in Deutschland auf der Homepage der Karlsuniversität unter dem Stichpunkt „Unterkunft“ gelesen. Dort war von einem Zuschuss der Universität zu den Mietkosten die Rede. Die Daten waren jedoch total veraltet und da mir die Sache ein wenig absurd vorkam, vergaß ich die Angelegenheit recht schnell.

Einige Wochen nach unserer Ankunft hörte ich dann erneut davon, dass bei der KB-Bank (was schonmal eine genauere Information darstellte) eine „Liste“ existiere, die einem, sei der eigene Name dort verzeichnet, zu einem kleinen Vermögen verhelfen könne. Mutig genug die Frage „Äh, bekommt man hier als Erasmus-Student Geld ausgezahlt?“ zu stellen, erkundigte sich ein Kommilitone direkt vor Ort. Irgendwie stand er leider jedoch noch nicht auf der Liste und solle abwarten.

Mit dieser Information erst einmal zufrieden gestellt, geriet die Angelegenheit im Trubel all der anderen Dinge, die hier geschehen, erneut in Vergessenheit, bis ich es vorgestern immer auf der Suche nach Geld schließlich noch einmal wagte, eine Filiale der KB-Bank zu betreten und der Listen-Geschichte nachzugehen.

„Was wollen Sie? Tut mir leid, wir sprechen hier alle kein Englisch. Gehen Sie bitte zu der größeren Filiale am Wenzelsplatz, dort kann man Ihnen weiterhelfen.“

Da am Wenzelsplatz ein solch „große“ Filiale nicht existiert, ging ich zu der am Platz der Republik, wo uns tatsächlich eine freundliche Mitarbeiterin, die der Englischen Sprache mächtig und für ausländische Angelegenheiten zuständig war, empfing.

„Ja, es existiert eine solche Liste. Geben Sie mir bitte einen Ausweis, dann kann ich nachprüfen, ob sie darauf stehen. Falls nicht, kann ich auch nichts machen. Ich habe wirklich keine Ahnung wie das alles funktioniert!“ „Sie haben keine Ahnung, wie das funktioniert und wie welcher Name auf die Liste kommt?“ Aha. O.k., da kann man wohl nichts machen. Auch wir standen natürlich nicht auf „der Liste“ und man riet uns, doch einmal bei der Universität nachzufragen. Vielleicht wisse man dort mehr. Das Büro für Internationale Angelegenheiten hatte aber natürlich schon geschlossen.

Da mich die Sache nicht losließ, recherchierte ich abends zu Hause also selbst noch einmal Internet und siehe da: Unter der Rubrik, unter der ich in Deutschland schon einmal etwas über ein Stipendium gelesen hatte, fand ich die nun aktualisierte Information, dass jeder Erasmus-Student Ende Mai bei der KB-Bank einen Wohnungszuschuss von der Universität in bar ausgezahlt bekommt.

Sollten die zukünftigen Erasmus-Studenten unter euch also einmal etwas von einem Geldgeschenk und/oder „der Liste“ hören, so könnt ihr dem Gerücht Glauben schenken. Die Devise heißt einfach „abwarten“ und sich freuen. Auf die Tatsache wie der eigene Name wann auf die Liste gelangt, scheint man keinerlei Einfluss zu haben…

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