Unialltag Teil 2 - Die Gebäue der Karlsuniversität

uni.bmp Vergleicht man die Gebäude der ältesten Universität Mitteleuropas, erbaut 1348, mit denen der meisten deutschen Universitäten, dann wird man vielleicht ein bisschen neidisch und freut sich, dass man wenigstens während seines Auslandssemesters einmal an solch einem Ort studieren darf.

Wie (fast) alle Gebäude in Prag sind dafür jedoch auch die meisten der Unigebäude alt, schön und groß. So die Fakultät für Philosophie und Kunst wie auch die Fakultät für Sozialwissenschaften, an denen ich hier die meiste Zeit studiere.

Die Fakultät für Philosophie und Kunst besticht vor allem durch ihre Lage: Das Gebäude liegt sehr zentral am Námestí Jana Palacha, neben dem Rudolfinum und direkt an der Moldau. Vor allem im Sommer kann man seine Pausen so am Fluss sitzend verbringen. Den breiten Treppenaufgang und die Fassade zieren große Säulen (die mit der Zeit allerdings ein bisschen ergraut sind) und auch das vierstöckige Treppenhaus im Inneren des Gebäudes kann sich sehen lassen: Treppenstufen und Geländer sind aus Marmor, der Fußboden aus Stein.

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Das Gebäude der Fakultät für Philosophie und Kunst

Neben Marmor und Steinfußboden etwas unpassend und ja, interessant, wirken die vielen verschiedenfarbigen Sofas, Computerterminals, Stapel von Bananenkartons und auch Mülltonnen die in den Gängen der vier Stockwerke stehen.

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Sitzbänke und Mülltonnen - Flure in der Fakultät

Der vierte Stock, in den so exotische Studiengänge wie Film- oder Theaterwissenschaften ausgelagert sind, ist besonders interessant: Er hat irgendwie etwas von einem Speicher oder auch Labyrinth (vielleicht, weil man über schmale Treppen hinauf gelangt, die Türen und auch einige Wände und Decken aus Holz sind). Die Räume sind alle ein bisschen unordent-lich und haben etwas eher Provisorisches an sich: So sitzen wir in der Seminarstunde um einen großen Tisch herum in einem Raum, der als Bibliothek genutzt zu werden scheint und es kommt vor, dass sich im Inneren eines unserer Seminarräume auch schon mal eine Ecke, in der Tafel, Klavier, Kleiderständer, ein buntes Plakat mit Pralinen und sonstige Gegenstände wie zu einem Stillleben arrangiert, zusammenstehen.

Dieser Raum verdient allerdings besondere Aufmerksamkeit. Es handelt sich um eine Art kleinen Kinosaal mit ansteigenden Sitzreihen und einer Leinwand, die rechts und links von einem braun-grünen Vorhang verdeckt wird. Wände und Decke sind mit Holz vertäfelt, wobei es sich laut meiner Dozentin um ein hervorragendes Beispiel kommunistischer Inneneinrichtung eines berühmten Architekten aus den 50ern handelt. In eben diesem „Kinosaal“ hatten außerdem zahlreiche so genannte sowjetische „Tresorfilme“ (Filme, die von der SED-Zensur verbannt und verboten wurden) nach 1989 „Weltpremiere“.

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Kino im Umfeld kommunistischer Innenarchitektur - Seminarraum

Insgesamt wirkt das Gebäude auf den ersten Blick von Außen sowie von Innen pompös und prachtvoll. Blickt man hinter die Kulissen, strahlen die Räume jedoch etwas eher Unordentlich-Wohnlich-Gemütliches aus. Die ambigue Atmosphäre ist schwierig zu beschreiben, am besten selbst anschauen ;-)

Das Gebäude in dem Journalismus und Kommunikationswissenschaften unterrichtet werden, ist etwas moderner und aber nicht weniger schön. Es liegt nahe dem Café Slavia und dem Nationaltheater ebenfalls direkt an der Moldau.

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Die Fakultät für Kommunikationswissenschaften (gelbes Eckhaus)

Wie sich Treppengeländer aus Marmor und der Blick auf die Moldau wohl auf die Studienleistungen auswirken? Zumindest hat man in beschriebenem Umfeld eher das Gefühl, dass Universitäten besondere Orte sind, an denen in Ruhe geforscht, gelehrt, diskutiert und studiert wird. Orte, an denen es möglich ist, sich umzuschauen, vorgegebene Wege zu verlassen, abzuschweifen und in Gedanken zu versinken, anstatt in Rekordzeit auf den Abschluss hinzuarbeiten. Ideale und Realitäten vergangener Tage…?

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