“Mein Motto, dein Motto”: ODS stiehlt ČSSD ihren Wahlkampfslogan
Die Gefahr ist keineswegs gelb, und sie kommt auch nicht aus China, sondern aus der Mitte der tschechischen Gesellschaft: die Rede ist diesmal jedoch nicht vom Hundedreck, sondern trotzdem von der Bedrohung des geistigen Eigentums durch skrupellose Produkt- und Markenpiraten.
Nachdem jüngst sogar die tschechische Polizei im Zusammenhang mit ihrem neuen Streifenwagendesign unter Plagiatsverdacht geriet, verwundert es nicht, dass auch die politische Elite des Landes dem Schutz der immateriellen Güter wenig Respekt entgegenbringt. Vor allem, wenn Wahlkampf ist und es gilt, dem politischen Gegner die Butter vom Brot zu nehmen.
So stellte die ODS in der vergangenen Woche ihren Wahlkampfsogan für die im Herbst anstehenden Bezirkswahlen vor: “Náš kraj, můj domov” (Unser Bezirk, meine Heimat). Nicht besonders originell, könnte man meinen, gewiss. Doch schlimmer noch: Mit fachmännisch zur Schau gestellter Empörung schlug ČSSD-Chef Paroubek Alarm und warf der ODS Diebstahl eines sozialdemokratischen Wahlslogans vor. Als schlagenden Beweis präsentierte er ein Flugblatt, mit dem ČSSD-Kandidat Jaromír Czmero bereits vor vier Jahren in die Schlacht um die Heimat und um das höchste Amt des Bezirks gezogen war - und zwar mit dem Slogan: “Náš kraj - náš domov” (Unser Bezirk - unsere Heimat).
“Der Wahlslogan der ODS lautet ‘Unser Bezirk, meine Heimat’. Er ist also nicht hundertprozentig identisch und es gibt also keinen Grund, ihn nicht zu verwenden”, verteidigte ODS-Sprecher Milan Bouška unbeirrt das Hijaking des nichtssagenden Slogans.
Die Affäre erinnert mich dabei an eine Begebenheit aus dem vorletzten hessischen Landtagswahlkampf. Damals wurde ein farbloser, weitgehend unbekannter Sozialdemokrat gegen Roland Koch ins Landtagsrennen geschickt - gegen den Roland Koch, der damals noch als CDU-Goliath galt und als möglicher Hoffnungsträger und K-Frage-Kandidat gehandelt wurde. Der Name des unsäglichen SPDlers ist mir verständlicherweise entfallen, es könnte Böttler, Böttinger oder so etwas gewesen sein, ziemlich sicher mit einem B am Anfang.
Jedenfalls erlaubte sich das Satire-Magazin Titanic den gelungenen Spaß, fünf imaginäre Kandidaten (davon mindestens eine Frau) als den angeblichen SPD-Spitzenkandidaten zu Wähler-Hausbesuchen zu schicken: ausgestattet mit einem flotten Spruch, (”Ich bins, ihr Kandidat”) und gefakten Wahlfleyern mit bekloppten Slogans, wie sie sich nur Volksparteien in Wahlkampfzeiten von ihren PR-Agenturen einfallen lassen können - oder eben Satiremagazine. Eine der schlichten Titanic-Parolen damals lautete: “Mein Motto, dein Motto”.
Kein Wunder, dass die meisten der so Heimgesuchten dann tatsächlich “ihren” SPD-Spitzenkandidaten zu erkennen glaubten (”Ach, in Wirklichkeit sehen Sie ja viel sympathischer aus, als auf den Plakaten”).
Vielleicht wäre den tschechischen Sozialdemokraten mit einem der folgenden Erfolgs-Slogans aus deutschen Wahlkampfwerkstätten geholfen: “Wir in Nordrhein-Westfahlen” (Johannes Rau) , “Die neue Mitte” (Schröder) oder “Die Mitte” (Merkel). Der politische Nobody Jaromír Czmero hatte es jedenfalls vor vier Jahren nur auf 15 Prozent der Wählerstimmen gebracht und war kläglich gescheitert. Paroubek und Genossen könnten sich angesichts des von der Konkurrenz gestohlenen Rohrkepierers also eigentlich vor Schadenfreude ins Fäustchen lachen.

Foto: ČSSD
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