Deutschland – das Land der Biertrinker!…??

bier.bmpKlar, trinkt man in Deutschland mehr Bier, als in anderen Ländern, es gibt zahlreiche Brauereien und Deutschland ist ja auch für die besonders gute Qualität und die lange Tradition des Bierbrauens bekannt. Dass die deutsche Nationalität im Bewusstsein von Ausländern jedoch so stark mit dem Konsum von Bier verknüpft ist, war mir nicht bewusst.

Zum ersten Mal konfrontiert wurde ich mit dem Image des Deutschen als Biertrinkers in der ersten Woche nach unserer Ankunft. Nach einem stundenlangen Spaziergang in der Eiseskälte kehrten wir zum Mittagessen in ein Restaurant ein. Um mich aufzuwärmen, trank ich ohne darüber nachzudenken ganz anständig einen heißen Apfelsaft. Die Konsequenzen dieser Tat sollte ich auf der Rückfahrt im Zug zu spüren bekommen, als ein ukrainischer Student uns Deutsche mit vorwurfsvollem Unterton fragte, warum wir denn beim Essen kein Bier getrunken hätten. Wir sein doch Deutsche! (Wladimir, der Student, ist in Prag um europäische Identitäten zu erforschen, was er sehr ernst nimmt und weshalb er einem häufig ziemlich bescheuerte Fragen stellt…)

Letzte Woche bei einem Essen mit den Eltern meiner französischen Mitbewohnerin wurde ich dann erneut der Erfahrungen im Bierkonsum beschuldigt. Als meine Mitbewohnerin darüber klagte, dass sie sich bei dem ganzen Bierkonsum in Prag um ihre Figur sorge, wozu ich ihr nur zustimmen konnte, sagte ihre Mutter: „Ja, du als Deutsche musst es doch aber gewöhnt sein, den Tag über Bier zu trinken!“ Ja!? Ich glaube gerade, dass Frauen in Deutschland nicht sehr viel Bier trinken. Schon gar nicht vor dem Abend…

Liege ich da falsch? In der Tschechischen Republik sieht die Sache zugegebenermaßen etwas anders aus. Da das Bier so günstig ist (günstiger als Wasser!!) und der Wein einfach irgendwie nicht schmecken mag, trinkt man schon sehr viel mehr Bier und auch gerne schon einmal am Nachmittag im Biergarten. Nicht selten fragt man sich dabei, ob es ein schlechtes Zeichen ist, wenn man nach einem Liter Bier noch keinerlei Wirkung wahrnimmt (tschechisches Bier ist allerdings auch nicht so stark wie Deutsches) ;-)

Auch der „normale“ Tscheche scheint im Alltag wirklich viel Bier zu trinken. So hält nachmittags im Park jeder zweite eine Bierflasche in der Hand und man erzählte mir – mal wieder in meinem Interkulturelle Kommunikation Seminar – , dass das Biertrinken am Abend eine der Hauptbeschäftigung der Tschechen sei, auch wenn man am nächsten tag früh heraus müsse und deswegen schon mal einen wichtigen Termin verpasse. Laut einer Statistik des Verbandes der europäischen Brauereien lagen die Tschechen 2006 mit 160 Litern pro Kopf an der Spitze der Bierkonsumenten, gefolgt von den Deutschen mit 115,8 Litern pro Kopf (wobei es in Deutschland mit Abstand die meisten Brauereien gibt). Diese wunderbare Gemeinsamkeit war mir noch gar nicht so bewusst; eigentlich müssten Tschechen und Deutsche sich ja blendend verstehen.

Frankreich belegt mit 33,4 Litern pro Kopf den vorletzten Platz. Umso mehr verwunderte es mich, als mein französischer Mitbewohner bei einem Picknick heute mit Bierflaschen ankam. Eine Deutsche, die später hinzu stieß brachte Rotwein mit und nur wenige Minuten nach ihrer Ankunft, bat der Franzose um einen Becher Wein.

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Eine Reaktion

22. April 2008, 13.22 Uhr [1] Charlotte Palm sagt:

In einer Zeitschrift über “Tschechien” der Bundeszentrale für politische Bildung, in der deutschen Judendlichen ihr “Nachbar” näher gebracht werden soll, erzählen acht Judendliche etwas über ihre Kultur.
Passend zu meiner Beobachtung, dass auch der “normale” Tscheche im Alltag wirklich viel Bier zu trinken scheint, sagt Jaroslav Schovanec, 25:

“[…] es gibt etwas im Leben der Tschechen, das sich nie ändern wird: Man geht
abends in die Kneipe und trinkt Bier. Ich mache es genauso: Tagsüber benutze ich mein Gehirn und nachts zerstöre ich es.“

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