Über tschechische Gottesdienste und wie es einem als Dieb ergehen kann

Ich bin zwar weder besonders religiös, noch gehe ich regelmäßig in die Kirche, doch mag ich manchmal die Atmosphäre, die in Kirchen herrscht - vor allem während eines Gottesdienstes. Ich mag es, wenn man von einer belebten und lauten Straße in eine Kirche eintritt und sofort von Stille, Andacht und diffusem Licht umgeben ist. So habe ich mich heute Morgen auf den Weg zur Kirche St. Jakob (nahe dem Altstädter Ring) gemacht, um die Sonntagsmesse zu besuchen.
Die Feier eines Gottesdienstes ist schließlich auch elementarer Teil vieler Kulturen und die Kirch St. Jakob war mir bei einem Spaziergang aufgefallen: Scheint sie von außen ganz unscheinbar und schlicht, so ist der wirklich große Innenraum der Kirche mit prächtigen Barockaltären, -figuren, Gold, Stuck und Deckengemälden ausgestattet. Ich hatte gelesen, dass es allein um der Orgel und der Akustik willen wert sei, einen Gottesdienst zu besuchen.

Der barocke Innenraum von St. Jakob
Und es hat sich wirklich gelohnt. Der Gottesdienst wurde zwar in Tschechisch gehalten, weshalb ich weder mitsingen, noch etwas verstehen konnte. Darum ging es mir aber ja auch gar nicht. Was ich schon faszinierend finde, ist, dass man trotz der unverständlichen Sprache doch ungefähr weiß, was gerade gesprochen wird und wen kümmert es, ob man den Friedensgruß in Tschechisch spricht, oder „der Friede sei mit dir“ sagt? Besucht man den Gottesdienst in einer anderen Sprache oder einem anderen Land, so merkt man erst mal WIE stark der Ablauf ritualisiert ist.
Möchte man der Orgelmusik lauschen, ohne eine Messe zu besuchen, so kann man jedenfalls den Recitale zuhören, die jeweils eine halbe Stunde vor der Messe (also im Sommer zumindest um 10.00 Uhr) gespielt werden.
Ein wenig kurios ist der verschrumpelte menschliche Arm, der links oben neben dem Eingang der Kirche an einem Haken hängt. Laut meinem Reiseführer soll um 1400 herum angeblich ein Dieb versucht haben, die Juwelen einer Marienstatue zu stehlen. Die Marienstatue, die damit nicht einverstanden war, umklammerte darauf hin das Handgelenk des Diebes so feste, dass der Arm abgehackt werden musste. Ob das der Wahrheit entspricht? Keine Ahnung. Der schrumpelige schwarz-braune Arm hängt jedenfalls wirklich dort.
Ist es mir beim ersten Malnicht gelungen, diese Kuriosität zu fotografieren, da mich ein Mann in Kirchgewand und mit einem Geldkörbchen in der Hand mit dem Hinweis auf ein Schild mit der Aufschrift „Besichtigungen verboten“ aus der Kirche heraus geworfen hat. (Ich fand das ziemlich unverschämt aber naja, wenigstens wird in St. Jakob nicht – wie in manch anderer Kirche Prags – Eintritt verlangt.) So hat es doch einer meiner Besucher geschafft.
Die neuesten Beiträge von Charlotte Palm
- Na shledanou! - 13.06.2008
- Das Prager Fringe Festival – international, alternativ, vielfältig - 01.06.2008
- Alles (bloß) Theater? Adolf – ein Experiment im Rahmen des Fringe Festivals - 29.05.2008
- Den Sommer verbringen in Prager Gärten und Parks... - 28.05.2008
- Samstag, 17. Mai - eine Horde Untoter fällt über Prag her - 20.05.2008
- Unialltag Teil 3 – Die Vorlesungszeit neigt sich dem Ende zu - 16.05.2008
- Und auf einmal sprachen sie alle Deutsch - Interkulturelle Kommunikation Teil 6 - 12.05.2008

Einen Gottesdienst in Deutsch kann man in der Kirche St. Martin ind der Mauer jeden Sonntag um 10:30 besuchen.
http://www.martinvezdi.cz