Verdis Falstaff vom Nationaltheater neu inszeniert
Eigentlich ist in Prag ja die Staatsoper das Terrain Verdis, dort nämlich, wo der Gefangenenchor mindestens zweimal im Monat erklingt, und wo Arien aus Aida oder Rigoletto umgehend beklatscht werden. Doch nun findet ausgerechnet im Nationaltheater, wo man nur applaudiert, wenn der Vorhang fällt, Verdis einzige komische Oper „Falstaff“ ihre erste Prager Neuinszenierung seit etlichen Jahren - und die wird tatsächlich zu einem komischen Abend.
Es hieß, der 80jährige Giuseppe Verdi hätte während der Komposition des Falstaff 1893 bereits geahnt, dass es seine letzte Oper werden würde.
Und es wurde auch seine eigenwilligste, sofern man mit Eigenwillen jenes bezeichnet, das sich von all dem unterscheidet, was man zuvor getan hat. Es schien, als wolle er ein letztes Mal alles zeigen, was er musikalisch konnte und ließ dazu weg, was er zuvor schon ausreichend bewiesen hatte, die tiefe und triefe Romantik von Nabucco oder Trubadour, und schuf zum Abschluss sein lebhaftestes Werk.
Verdis Falstaff liegt das lustige Libretto von Arrigo Boito zugrunde, der sich wiederum bei Shakespeares Lustspiel „die lustigen Weiber von Windsor“ bedient. Im Zentrum des Geschehens steht ein einfacher Mann, der das üppige Leben und die Frauen liebt - würde er denn sonst zum Opernhelden taugen? -, dem aber die nötigen Mittel fehlen, die er sich aber eben bei Frauen zu erschleichen sucht - wäre er sonst so ein stimmgewaltiger Schmeichler? -, der aber jeden Konflikt scheut, natürlich auch jene mit Frauen, die er sich aber auflädt - wäre er sonst eine Gestalt in einer Oper von Verdi? - und das nur deshalb, weil er ihnen eigentlich aus dem Weg gehen will. Klar, dass da letztlich nur lachen weiterhilft, lachen über sich, die Anderen, ach, die ganze Welt - also genau das, was das Bühnenpersonal am Ende des Abends auf den entsprechend bedeutungsgeladenen Brettern des Nationaltheaters dann auch herzlich tut.
Die Sängerinnen und Sänger haben sich am Ende eines Opernabends erlösendes Gelächter ohnedies immer verdient, was in der Premierenbesetzung am 9. Mai besonders für den englischen Bariton Andrew Greenan, den französischen Tenor Philippe Do und die junge tschechische Sopranistin Kateřina Kněžíková zutraf. Und was bliebe dem Zuschauer dann noch anderes, als es ihnen gleich zu tun? Zweieinhalb Stunden hatte er ihnen zugesehen, wie sie sich aberwitzig ausstaffiert durch ein seltsames Gestänge aus strengen Gitterstäben pausenlos umher bewegten. Nichts wollte so richtig zueinander passen, weder die schrillen Kostüme zur Strenge des Gitters, noch die Leichtigkeit der Bewegungen zur Opulenz der Staffage.
So ist diese Neuinszenierung am Nationaltheater von Verdis einziger komischen Oper tatsächlich komisch - und zwar im weitesten Sinne. Und für den Zuschauer wird sie zu einem komischen Abend - im besten Sinne.
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