Und auf einmal sprachen sie alle Deutsch - Interkulturelle Kommunikation Teil 6
Wenn man für eine längere Zeit in einer Stadt lebt, dann hat man nach ein paar Wochen ja so seine Lieblingslokale oder -Geschäfte, in denen man immer wieder Kunde ist. So bin ich mittlerweile Stammkunde in einem wirklich hervorragenden tschechischen Lokal, in dass ich jeden meiner Gäste ausführe. Gemüse und Obst kaufe ich täglich bei einem Vietnamesen um die Ecke. Bisher gab es bei jedem Einkauf die üblichen Probleme mit der Sprache.
Im Gemüseladen des Vietnamesen erklärte ich mit Händen und Füßen, dass ich ein paar Bierflaschen zurückgeben und dafür dann auch Pfand bekommen möchte. Wir begrüßten und verabschiedeten uns immer freundlich, natürlich auf Tschechisch, und lächelten uns einfach an, wenn man nicht die passenden Worte fand.
In dem tschechischen Lokal wurde es schon schwieriger, da es die Speisekarte nur in tschechischer Sprache gibt. War ich mit Gästen dort, so mussten diese sich immer voll und ganz auf meine Empfehlungen verlassen. Wollte ich für die nächste Woche reservieren, so musste ich entweder persönlich vorbei gehen, oder jemanden, der Tschechisch spricht, bitten, die Reservierungsangelegenheit für mich zu erledigen.
Das alles war so bis gestern, als der Kellner an der Theke mich fragte: „Sprechen Sie Deutsch?“
Äh, klar! Auch der Kellner, der uns schon etliche Male bedient hatte (und von mal zu mal freundlicher wird
) fing auf einmal an, nahezu fließend Deutsch zu sprechen. Auf die Frage hin, welche Gemüsesorten denn noch zu haben seien, erwiderte er zum Beispiel: „Ja, also einmal das lange grüne Gemüse [er meinte Bohnen], du weißt schon, das was auch auf dem Rumpsteak liegt. Rumpsteaks habe ich übrigens nur noch zwei. Und dann… .“ Ich war doch sehr überrascht.
Weit mehr verblüfft war ich jedoch, als der Vietnamese, nachdem wir uns wochenlang in einer unzureichenden Zeichensprache verständigt hatten, begann, Deutsch zu sprechen. „Sie möchten Flaschen zurückgeben? Kein Problem, geben Sie mir ihre Tüten, ich sortiere die Flaschen ein… .“ O.k.!?
Was war geschehen? Wussten Gemüsehändler und Bedienung bisher nicht, dass ich Deutsche bin (unwahrscheinlich, da sie mich hätten reden müssen hören)? Hatten sie ganz plötzlich Deutsch gelernt (noch sehr viel unwahrscheinlicher)? Hatten sie sich einfach einen Spaß erlaubt (kann ich mir nicht vorstellen)? … Oder war dies ein Zeichen dafür, dass ich den Stammkundenstatus nun wirklich voll und ganz erreicht hatte (das klingt doch gut, oder)?
Ich werde es wohl nie herausfinden.
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Ich habe mir mal erlaubt, die Kommentare zu löschen, da es nichts mehr mit einer Diskussion oder ernsthaft gemeinten Anmerkungen zu tun hatte…