Schechen gegen Tschotten oder was?

Schechen gegen Tschotten oder was? Nein, beim letzten Testspiel der tschechischen Fußball-Nationalmannschaft vor der Europameisterschaft war dann doch alles klar. Vier Tage zuvor beim Spiel gegen Litauen im Stadion Eden ertönte noch fälschlicher Weise die Hymne Lettlands. In Stadion auf der Letna gegen die Schotten konnte das sowieso nicht passieren, denn die singen ja bekanntlich selber.

Und das taten sie die ganze Partie über, womit wenigstens die Fans der Schotten den Auswärtsnachteil gegenüber den schweigsamen heimischen Zuschauern wettmachten. Denn doch doch, das Spiel fand in Prag statt, und Männerbeine gab es nicht nur unter Röcken auf der Gästetribüne zu bewundern, sondern auch auf dem Rasen. Dort hieß es nach einer tor- und ereignisfreien ersten Halbzeit und einer munteren zweiten schließlich 3:1 für die Gastgeber.

Für die Schotten war also alles klar, sogar die Niederlage, doch bei den Tschechen bleibt alles offen. Trainer Karel Brückner, den man in Deutschland vor vier Jahren Häuptling Silberlocke taufte, hat bei der üblichen Pressekonferenz danach diesem Namen auf seine Weise alle Ehre erwiesen: Huk, ich habe gesprochen und doch wieder nichts gesagt. Mürrisch wie immer hieß es nur, wer im EM-Auftaktspiel am 7. Juni gegen die Schweiz auflaufen wird, das kann sich noch eine Stunde vor dem Anpfiff entscheiden. Spekulation allenthalben: Wer ersetzt den verletzten Spielmacher Rosicky? Wer wird zweite Spitze neben Koller? Dazu Brückners klare Analyse: Je länger man über die Vorrunde mit den Spielen noch gegen Portugal und die Türkei hinaus im Turnier bleibt, desto größer die Chancen für alle Spieler, wenigstens einmal aufzulaufen.

Einmal wenigstens, das wird für etliche tschechische Spieler das wichtigste Ziel bei der EM 2008 sein, und damit das Stadion als Schaufenster nutzen zu können, das Turnier als Börse und ein gutes Auftreten als Eintrittskarte ins Spielerkarussell. Denn die Mannschaft von Trainer Brückner besteht nur aus Ausländern, die es noch eine Weile bleiben wollen.

Zum Beispiel die drei Absteiger aus Nürnberg. Ersatztorwart Blažek, Mittelfeldmann Tomáš Galásek und Jan Koller, alle schon 35, käme ein ruhiges Plätzchen als Altenteiler in einer gutzahlenden, aber gemächlichen Liga sicher gerade recht - und warum nicht gleich in der Schweiz bleiben? Koller allerdings steht in der Gerüchteküche schon mit einem Bein wieder bei Sparta Prag. Von dort hatte er vor gut zwölf Jahren seinen Zug durch Fussballeuropa angetreten, der ihn aber nie dorthin führte, wo er mit seiner Spielweise wohl am besten aufgehoben gewesen wäre, denn Belgier war er, Bundesliganer sowieso, Franzose auch, aber nie Engländer.

Und Engländer wollen doch alle sein, selbst gut die Hälfte Schotten am Freitag auf den Rasen sind es ja auch, und Torwart Petr Cech ist unbestritten die tschechische Nummer Eins unter ihnen. Ansonsten sind es nur noch Marek Matejovský von 1. FC Reading und Milan Baroš. Baroš, der nach einer als rassistisch bewerteten Geste gegenüber einem schwarzen Gegenspieler vom „Frog“ in Lyon zum „Bifstek“ in Portsmonth wurde, leidet unter Formschwäche und muss um seinen Einsatz auf der Spieler-Bühne bangen.

Franzosen gibt es nun gar nicht mehr bei den Tschechen. Jaroslav Plašil, einst zusammen mit Koller bei Monaco, und David Rozehnal vom Paris Saint Germain, sind nach Spanien und Italien gewechselt. Überhaupt die Italiener bei den Tschechen, sie bilden - was auch sonst - den Kern der Abwehr. Marek Jankulovski von AC Milan, Zdenek Grygera von Juventus, und der neue Kapitän Tomáš Ujfaluši von Fiorentina. Den einstigen Hamburger drängt es allerdings nach Spanien und - wie er in einem Presseinterview verriet - letztlich in die USA zu Beckham. Um seinen Einsatz bei der EM braucht er nicht zu bangen, höchstens um die Einschaltquoten in Kalifornien.

Dann sind da noch die beiden Dänen vom FC Kopenhagen, Zdenek Pospech und Libor Sionko. Die wollen doch wohl nicht ewig Dänen bleiben? Jedenfalls Libor Sionko, der am Freitag die ersten beiden zwei Tore gegen die Schotten schoß, hat so das Gegenteil bewiesen und nun große Chancen bereits in der Gruppenphase in die Startelf zu kommen. Und Pospech gelang zumindest der einzige echte Torschuß der Tschechen in der ersten Halbzeit. Belgier gibt es auch noch, gleich drei vom RSC Anderlecht, wobei einzig Jan Polák noch größere Ambitionen hegen wird, während es der bereits 32-jährige Stanislav Vlcek, der noch zu Beginn der letzten Saison bei Slavia Prag spielte, es sehr schwer haben wird, als zweiter Stürmer neben Koller eingesetzt zu werden.

Und ach ja, die Bundesliga. Die ist bei den Tschechen nicht nur mit den drei Absteigern vertreten, sondern mit dem möglichen Rosicky-Ersatz David Jarolím, dem es manchmal beim Torschuss klemmt, mit Martin Fenin, der wohl nur als Joker mal eine Chance bekommen wird, zu zeigen, dass er doch noch trifft, und dem Berliner Rudolf Skácel, dem einstigen Schotten unter den Tschechen, der nach der gestrigen Vorstellung zumindest hoffen darf, sich ab und an auf großer Bühne zeigen zu dürfen.

Sind da auch noch Tschechen unter den Tschechen? Ja, Václav Sverkoš zum Beispiel, der ehemalige Gladbacher der nun beim Tabellendritten Baník Ostrau zu guten Diensten ist, Sparta Prag-Kapitän Tomáš Sivok und sein Mannschaftskollege Michal Kadlec, Sohn des Kaiserslauterers Miroslov, der auch gleich das dritte Tor am Freitag gegen die Schotten in der 90. Minute besorgte. Ein Einsatz bei der EM, ein gutes Spiel und dann …

Und die Antwort auf diese Frage hängt besonders davon ab - und da hat Karel Brückner also doch recht - wie lange sich die Tschechen im Turnier halten werden. Doch ausgerechnet bei ihren drei Gruppengegnern Schweiz, Türkei und Portugal spielt bislang keiner der Spieler der tschechischen Nationalmannschaft. Aber das kann sich ja schnell ändern.

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