Prague Writers Festival eröffnet
In gewohnt lockerer Atmosphäre begann am Abend des 1.6. das Prague Writers Festivals. Den 18. Jahrgang eröffneten die Autoren Paul Auster, Margaret Atwood, Michael Mc Clure und Petr Král mit einem Podiumsgespräch über die persönlichen Erinnerungen an das Jahr 1968.
Dies ist das bedeutendeste Ereignis des Prager literarischen Lebens. Mit diesen Worten legte Prags Oberbürgermeister Pavel Bém den Stellenwert der Literaturgespräche fest. Zum 18. Mal hat es der US-amerikanische Poet und Literaturorganisator Michael March geschafft, namhafte Schriftsteller aus aller Welt nach Prag zu locken. So saßen gleich am Eröffnungsabend Paul Auster und Margaret Atwood gemeinsam auf dem Podium.
Thema des Jahrgangs 2008 ist das Jahr 1968, das Motto lautet „Gelächter und Vergessen“. Vorangestellt ist ein Zitat von Bert Brecht: „Wer jetzt noch lacht, hat die neuesten Nachrichten noch nicht gehört.“ Fünf Tage lang erzählen insgesamt 20 Literaten aus neun Länder ihre persönlichen Erlebnisse, lesen aus ihren Werken oder geben Autogramme. Aus Deutschland nimmt Günter Kunert am Festival teil.
Eine Tanzperformance leitete den entspannten ersten Abend im Prager Kindertheater Divadlo Minor ein. Unter Klängen von Protestsongs erwacht die Allegorie jenes Jahres zum Leben: Die akkustische Gitarre und die politische Macht, welche die Kraft des Saiteninstruments zerstampfen will. Bevor das hochkarätige Podium seine Reminiszenzen an das Jahr 1968 austauschen durfte, stand eine Ehrung auf dem Programm: Die russische Schriftstellerin Natalia Gorbanjewska erhielt den Spiros Vergos Preis für die Freiheit des Wortes. Der aus Funk und Fernsehen bekannte tschechische Moderator Marek Eben hielt die kurze Würdigungsrede. Natalia Gorbanjewska gehörte am 25. August 1968 zu einer achtköpfigen Gruppe russischer Studenten, die auf dem Roten Platz in Moskau gegen die Besetzung der Tschechoslowakei protestierte. Darauf folgten Verhaftung, Gefängnis, Folter und schließlich das Exil in Paris.
Das Prague Writers Festival dauert noch bis zum 5. Juni.
Die Rechte an dem Text und dem Foto liegen ausschließlich beim Autor.
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