EM-Kolumne: Todesgruppe: Alle leben noch


Rumänien-Italien und Holland-Frankreich zaubern wieder Fußballfeste aufs Grün. Ein wenig selbstvergessen scheint Gerd Lemke (gerlem@gmx.de) dieses Treiben zu genießen.

Eigentlich bin ich ja ein Verfechter des direkten Passes. Es kann für einen Fußballer eigentlich nichts Geileres geben, als den Ball zirkulieren zu lassen. Und ihn dorthin zu tragen, wo man ihn hin haben will, um die glasklare Chance herauszuspielen.

Alles das also, was Rumänien in seinem ersten Gruppenspiel nicht gezeigt hat. Wer nun aber gedacht hatte, im Spiel gegen Italien werde das genau so weitergehen, sah sich getäuscht. Rumänien spielte munter nach vorne, stand dafür hinten nicht mehr ganz so sicher. Wer nun aber gedacht hat, der amtierende Weltmeister würde nahtlos an die Defensivleistung der WM anknüpfen, wurde bereits im Holland-Spiel eines Besseren belehrt. Einen so anfängerhaften Fehler hat man noch nie bei einer italienischen Mannschaft gesehen, den Mutu zur rumänischen Führung nutzt.

Doch die Italiener kommen gleich zurück und machen aus einem Eckballgewirr den Ausgleich. Italien hat seine Chancen, aber der rumänische Torwart hält ausgezeichnet. Wer diesseits des Karpatenbogens hat schon jemals seinen Namen gehört? Selbst die Rumänen haben einen Supertorwart. Und was haben wir? Lehmann!

Tja, bei Italien steht Buffon im Tor. Der hält sogar einen Elfmeter mit Händen und Füßen gleichzeitig. Unglaublich! Mir geht seitdem nur ein einziger Gedanke im Kopf herum: Dann macht der Mutu den Ball nicht rein! Ich bin tatsächlich vor dem Fernseher in einem tiefen Bierkeller verstummt. Es geht 1:1 aus.

Wie sich am späteren Abend noch zeigen sollte, könnte gerade dieser eine Punkt für die rumänische Auswahl besonders wichtig werden. Doch vorerst weiß ich das ja noch nicht und ärgere mich über Mutu. Dann macht er den nicht rein… tagge ich auf dem ganzen Weg von der Kleinseite auf die Sommerwiese aufs Pflaster. Da ich aber schon recht bald eine Straßenbahn nahm, die quasi vor meinen Füßen die Tür öffnete, als ich leicht geblendet aus dem Keller ans Tageslicht stolperte, blieb der Ausstoß genau so gering wie die Anzahl schlechter Spiele bei der EM.

Auch der Abendkick sollte sich wieder zu einem echten Knaller entwickeln. Und wer nach dem ersten Spiel von Holland nur beeindruckt war, wurde jetzt überzeugt. 4:1 fegten sie Vizeweltmeister Frankreich vom Platz, ein Tor schöner als das andere. Genau wie der Weltmeister vor ihnen musste sich nun auch die alternde französische équipe vom Eiltempo der oranje Angriffe überfahren lassen. Selbst solche Hochgeschwindigkeitsfußballer wie Franck Ribéry gingen im holländischen Fußballrausch unter. Die Spieler, die dort auf dem Platz standen, spielen bei den besten Klubs Europas. Sie sind im besten Fußballalter und hungrig. Wer die beiden letzten WM-Finalisten mit insgesamt 7:1 Toren abfertigt, sollte ein heißer Tip für die Finalteilnahme sein. Mijn God, wij zijn werkelijk beendruggt!

Foto: ČTK

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Eine Reaktion

22. Juni 2008, 15.25 Uhr [1] Holland ist auch raus! | Weblogs sagt:

[…] vor dem Fernseher beschert! Und auch in diesem Turnier haben sie mich in den Gruppenspielen restlos begeistert. Danke, Holland, das war großartig! Soviel […]

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