EM-Kolumne: Otto will Weltmeister werden!


Kämpferisch gab sich Griechenlands Trainer Otto Rehhagel nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden des Titelverteidigers: Ich will mit Griechenland zur WM!, verkündete er in der anschließenden Pressekonferenz selbstbewusst. Das will nichts anderes heißen: Otto will Weltmeister werden! Seine Chancen dafür prognostiziert Gerd Lemke (gerlem@gmx.de).

Otto will es also nochmals wissen und mit allen aufnehmen. Die Botschaft wurde bei der Otto-Rehhagel-Fangemeinde gleich richtig aufgefasst und löste ungeteilte Begeisterung aus. Otto hatte also richtig erkannt. Ohne Zagorakis fehlte dem griechischen Mittelfeld diesmal die Ordnung. Er hatte noch vor vier Jahren zusammen mit Katsuranis dafür gesorgt, dass sich die gegnerischen Angreifer davor fürchteten, gegen Griechenland antreten zu müssen. Damals reichte mit Angelos Charisteas ein mittelmäßiger Bundeligastürmer zum Titelgewinn. Charisteas, gerade mit Nürnberg abgestiegen, hat in Ioannis Amanatidis einen kongenialen Sturmpartner gefunden. Zwar pflegt der Angreifer der Frankfurter Eintracht eine typisch argentinische Haarpracht, doch damit ist seine Durchschlagskraft keineswegs gewachsen. Der häufig glücklose Stürmer wusste bei dieser EM kaum zu überzeugen. Immerhin, Charisteas durfte wenigstens noch seinen nun insgesamt vierten EM-Treffer erzielen, ein schönes Abschiedsgeschenk.

Wie eigentlich der ganze Abend, Griechenland durfte auf großer Bühne im letzten Spiel der Vorrunde antreten. Das fühlte sich schon wieder ein bisschen wie ein Endspiel an. Für einige griechischen Akteure bedeutete es gleichzeitig auch den Abschied vom Nationalteam.

Antonios George Clooney Nikopolidis scheidet

So ist auch der Moment gekommen, in dem wir uns wohl endgültig von den Witzen über Griechenlands Torwart und seiner Ähnlichkeit mit George Clooney verabschieden müssen. Wie aber Antonios Nikopolidis im letzten Spiel gegen die spanische Ersatzmannschaft gegen den Pfosten gesprungen ist, empfiehlt ihn mindestens für einen Job als Stuntman. Der sechzig-Meter-Schuss von Xavi Alonso strich leider knapp am Pfosten vorbei. Mit solch einem Gegentor hätte sich Nikopolidis eindeutig vor Petr Čech auf Platz eins in der Wertung der größten Fliegenfänger der Vorrunde gesetzt. Beider Fehler kosteten ihren Teams jeweils das Weiterkommen. Für diese Wertung hatte ich mir eigentlich Jens Lehmann vorgemerkt, aber gegen die Slapsticknummer von Nikopolidis im Spiel gegen Russland war Lehmanns Patzer beim zweiten Tor der Kroaten nahezu eine Glanzparade.

Russland kommt weiter

Die Russen übrigens, was mich etwas überrascht hat, haben Schweden klar dominiert und sind weitergekommen – nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit. Russland hat diesmal wirklich gut gespielt und am Ende des Spiels auf die lächerlichste Art seine Konterchancen vergeben. Es schien, als wären die russischen Stürmer plötzlich vom Gomez-Virus infiziert worden. Der deutsche Stürmer belegt aber dennoch klar Platz eins in der Wertung Chancentod der Vorrunde.

Als Team der späten Tore hat sich Spanien mit dem zweiten Zwei zu eins, erzielt in der Nachspielzeit, innerhalb von vier Tagen fest etabliert. Die Türkei ist dank ebenfalls zweier später Tore das beste comeback der Vorrunde gelungen. Den schlechtesten Torjubel hat Lukas Podolsky bei seinem ersten Tor gegen Polen gezeigt. Den besten Freistoß hat Ballack geschossen – keine Frage, der Ball war unwiderstehlich. Und am enttäuschendsten fand ich doch die Schweiz, die die vielversprechenden Eindrücke von 2004 und 2006 nicht bestätigen konnte.

Die Schweizer werden sich in der WM Qualifikatiosngruppe mit Griechenland um das Weiterkommen streiten. Einziger ernstzunehmender Gegner in dieser Europa-Gruppe 2 ist Israel. Moldawien, Lettland und Luxemburg sollten nur bessere Sparingspartner abgeben.

Zagorakis wertvoll wie Zidane

Mit welchem Team Otto freilich in der bevorstehende WM-Qualifikation antreten will, ist noch völlig unklar. Aufgedrängt hat sich bei dieser EM zumindest niemand und die alten Kämpen sind müde geworden. Und ein Zagorakis ist eben nicht ohne weiteres zu ersetzen. Genausowenig wie ein Zinedine Zidane bei Frankreich. Das Abschneiden der bleus war weniger bestürzend als symptomatisch. Wie nach dem EM-Sieg 2000 ist wieder solch ein Loch aufgetreten, in das die équipe tricolor gnadenlos zu stürzen pflegt. Lassen wir sie dort einfach für ein Weilchen ruhen.

Foto: ČTK

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Eine Reaktion

22. Juni 2008, 16.39 Uhr [1] EM-Kolumne: Holland ist auch raus! | Weblogs sagt:

[…] schütteln und hätte nie daran geglaubt, dass die Russen das Spiel gewinnen. Was sich bereits im Spiel gegen Schweden angedeutet hat, wurde nun der ganzen Welt sichtbar: Der Russe ist im Grunde seiner Seele ein […]

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