Drahtseilakt in Stöckelschuhen
Die Vorstellung dauert so lange wie ein Fußballspiel, doch Langeweile kommt nicht auf. Sieben Beinpaare führen vor, dass es Menschen gibt, die sich nahezu mühelos über dem Nichts bewegen. Erstaunt und begeistert empfiehlt Gerd Lemke (gerlem@gmx.de): Unbedingt hingehen!
Sie gehören wie der Clown und die Messerwerfer untrennbar zur Vorstellung des klassischen Zirkus: die Seiltänzer. Mit einer schweren Stange balancieren sie über dem Abgrund, machmal gesichert durch ein Netz, manchmal aber auch ohne Netz. Einmal hin und einmal zurück, vielleicht noch einmal mit dem Einrad drüber – wirklich viel mehr hatten sie meist nicht zu bieten. Ohne die beklemmende Musik und ohne das Wissen um das hohe Risiko hätten wir vor Langeweile schon längst nicht mehr hingeschaut.
Es geht aber auch anders, wie die Vorstellung der französichen Truppe Les Colporteurs zeigt, die noch bis Dienstag, 2.9., in Prag gastiert. Nämlich mit Witz, Schwung, Phantasie. Netz und Balancierstange landen auf dem Haufen der unnützen Requisiten.

“Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.” Mit diesem Rilke-Vers pflegte mein Deutschlehrer kurz vor Klausuren die einschlägig bekannten Saisonarbeiter vor den geringen Erfolgsaussichten von zu spät einsetzendem Aktivismus zu warnen. Im Hinblick auf die geplanten Tschechisch-Pflichttests und die Tatsache, dass der Sommer seinen Zenit bereits überschritten hat, scheinen mir die mahnenden Zeilen aus dem “Herbsttag” ein guter Einstieg, um auf eine neue Webseite hinzuweisen, die das tschechische Schulministrium in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Forschungsinstitut vergangene Woche gestartet hat.
