Prague Proms - Prags postmodernstes Musik-Festival

Prague Proms Plakat“Prague Proms” heisst das jüngste der großen Musikfestivals in Prag. Dessen vierte Ausgabe fand ihren diesjährigen Abschluss am Sonntag mit einem klassischen Klassikkonzert, welches durchaus auch als durchschnittliches Abonnentenkonzert der Prager Symphonie hätte durchgehen können.

Und trotzdem ist diese dreiwöchige Veranstaltung mit 18 Konzertabenden das modernste Festival, das Prag zu bieten hat. Nicht nur, dass es schon gar keinen tschechischen Namen mehr trägt - “Proms” läßt sich ebensowenig wie Public Viewing in irgendeine andere Sprache übersetzen und soll wohl soviel bedeuten, dass hier Prominentes geboten wird -, es ist vor allem die Mischung, die sich hinter diesem Namen verbirgt, die geradezu postmoderne Züge trägt.

Alles ist möglich bei diesem Festival, nichts scheint verbindlich. Das Programm ist so bunt wie der Inhalt einer Wundertüte, softe Klassik liegt darin, groovender Jazz, durchaus Ernste Musik oder gar leichter Freejazz. Und natürlich war alles, wie das in unseren postmodernen Zeiten eben ist, guten Teils von Sponsoren aus der Wirtschaft finanziert, und was dann wohl auch, so jedenfalls haben wir uns das immer schon gedacht, für die inhaltliche Glätte des Programms sorgt.

Aus der Wundertüte entstiegen denn auch durchaus prominente Namen. Die altgediente Unterhaltungskünstlerin Ute Lemper mit ihrem bekannten Repertoire von Brecht-Weil-Liedern war darin, genauso einige bekannte Dirigenten und Solisten mit den üblichen Smetana-, Mozart-, Beethoven-Programmen. Wie in jeder Wundertüte liegt auch mal eine Niete drin, dieses Mal war es ein lieblos vergeigter Violinenabend, in den nur die beiden jungen Solisten Petr Matěják und Jan Mráček ein wenig Verve brachten. Zudem hatte noch das stetig applaudierende Publikum jeden einzelnen Satz der Bach- und Vivaldi-Konzerte zu einem eigenen Hit zerklatscht.

Am Sonntag gab es noch einen schönen Richard Strauß-Abend mit dem ČNS-Orchester, das dieses Mal sich weitgehend aus Mitgliedern der im Obecní Dům ansässigen Prager Symphonikern FOK zusammensetzte. Deren Hausdirigent Petr Altricher bekam durch extra kurz gehaltene Satzpausen sogar die Klatschfreude der Zuschauer in den Griff, so dass zum Abschluss Zarathustra in gewohnt zart-wuchtiger Manier also zu uns sprechen konnte. Und beinahe hätte man ganz postmodern bei sich gedacht: “Prague Proms” war ja dann doch ‘ne janz hübsche Beschäftigung für lange Sommerabende.

Aber halt! Es ging auch anders. Denn wer bei den “Prague Proms” auf das Jazz-Programm gesetzt hat, der hatte fast nur Volltreffer aus dem Hut gezogen: Der tschechische Bassist Jiři Mráz mit Wohnsitz in New York und dessen Freunde, das Pianistentalent Ondřej Krajňák aus der Slowakei mit seinem Trio und dem Saxophonisten Radovan Tariška oder der Trompeter Lasse Lindgren mit seiner Band “Hip Bob Constellation” waren genau das, was man sonst in Prag nur selten präsentiert bekommt: großartiger, internationaler Jazz ohne Stargetue.

Und da dachte man dann plötzlich: Prag braucht nicht noch ein Klassikmusikfest, Prag fehlt hingegen ein hochkarätiges Jazzfestival, um nur ganz schnell wieder postmodern weiterzudenken: Also liebe Sponsoren, wie wär es denn mal mit sowas? Aber dann denkt man gleich noch weiter und freut sich schon einmal ganz post-postmodern über das, was es bereits gibt und hofft einfach auf eine nächste Ausgabe der „Prague Proms“.

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