Experimente bitte - Tschechische Philharmonie nimmt Spielbetrieb der 113. Saison auf
Der Prager Sommer ist vorbei, die Aufnahme des Spielbetriebs der großen Häuser der Stadt legt Zeugnis davon ab. Im Rudolfinum, dem größten Musiksaal Prags und Stammsitz der Tschechischen Symphonie, steht eine Saison mit etlichen Abwechselungen an. Das liegt auch daran, dass es für das bedeuteste Orchester Tschechien eine Saison ohne Chefdirigent sein wird.
Der designierte neue Chefdirigent und ausgewiesene Mahler-Experte Eliahu Inbal wird zwar im April bereits ein Programm dirigieren, seine neue Position aber erst in der folgenden Saison aufnehmen.
Somit bieten sich, wie der Direktor der Tschechischen Philharmonie Václav Riedlbauch betont, in dieser angelaufene Saison Gelegenheiten für Experimente, denn etliche außerhäusige Dirigenten werden das Orchester leiten und immer wieder andere Schwerpunkte setzen. Gleichsam bietet diese Zwischenzeit eine Chance für ein sehr weitgestreutes Programm.
In der Lücke
Jiři Bělohlávek und Manfred Honeck, der schon in der vergangenen Saison als Hauptgastdirigent etliche interessante Konzertabende gestaltete, eröffneten die Saison zunächst mit einer Art Vorausschau auf die erst in einem Jahr beginnde Saison mit Mahlers Symphonien 2 und 7, und im Dezember steht noch die 3. Symphonie unter Leitung von Christoph Eschenbach an. Eine Gelegenheit, noch einmal unterschiedliche Interpretationen der Mahlerschen Musik zu hören, bevor dann Eliahu Inbal ab 2009 seinen Plan zur Aufnahme aller Mahlersymphonien mit der Tschechischen Philharmonie umsetzen wird.
Darüber hinaus darf man sich dann auf ein reiches Angebot aller Richtungen und Interpretationsstile freuen. Vor allem fällt auf, dass eher neuere Musik aus dem 20. Jahrhundert auf dem Programm steht, was in dem eher klassisch orientierten Umfeld Prags sehr wohltuend wirkt. Seltener aufgeführte Werke von Messiaen, Suchoň oder Schulhoff lassen dabei besonders aufhorchen.
Nicht zuletzt der Initiative des Direktoriums unter Vaclav Riedlbauch ist es zu verdanken, dass Prag als Standort modernerer Musik in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Davon zeugt neben der diesjährigen Programmgestaltung auch die alljährliche Ausrichtung des Festivals „Prager Premieren“ durch die Tschechische Philharmonie, das in dieser Saison vom 14. bis 22. März 2009 stattfinden wird.
Mut zur Brücke
Manchmal allerdings würde man sich noch wünschen, dass Prag seine seine zentrale geografische Position zwischen West und Ost nutzen würde, um als Brücke zwischen diesen beiden Musikwelten zu fungieren. Prag könnte die Stadt werden, auf die man hören muss, will man erfahren, was sich in der Musik im mittelöstlichen Europa und darüber hinaus abspielt. Und nicht zuletzt kann man in Tschechien selbst auf eine interessante Komponistenszene stützen, die der sogenannten „Neuen“ Musik dringend benötigte „Neue“ Impulse hin zu Harmonie, Melodie und musikalischen Zitaten geben könnte, und ihr eine auch für weitere Kreise hörbare Dimension verleihen.
Drei Altmeister der tschechischen Komponistentradition, Antonin Tučapský, Zdeněk Lukáš und Petr Eben, werden in dieser Saison besonders gewürdigt. Ihnen gilt jeweils ein eigens ihren Chorwerken gewidmeter Konzertabend, und wir notieren uns schon jetzt diese drei Daten: 19.10., 14.12.2008 und 8.2.2009.
Tschechische Philharmonie, Rudolfinum
Infos und Programm: www.ceskafilharmonie.cz oder www.czechphilharmonic.cz
Karten an der Kasse im Rudolfinum und unter: vstupenky@cfmail.cz
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