Wie Klavier und Violoncello dem Verpackungsbetrug trotzen
Ein tristes, allerdings auch schönes Bild der Pariser Seine auf dem Cover der neuesten Einspielung des Cello-Klavier Duos Jamník/Kahánek – wenn das man nicht schon den Tatbestand des Verpackungsbetruges erfüllt.
Denn die Musik, die wir auf diesen Aufnahmen vom April 2008 hören, spielt in Böhmen, Mähren und der Slowakei. Es sind Kompositionen von drei tschechischen Komponisten aus dem 50er Jahren, zwei späte Werke von Bohuslav Martinů, und jeweils ein Frühwerk der Ende der 20er Jahre geborenen Petr Eben und Luboš Sluka. Meisterhaft stehen alle diese Stücke für das, was die tschechische Tonkunst bis heute auszeichnet: Die Verbindung traditioneller Wurzeln mit neuesten Kompositionstechniken und der Mut zum komplexfreien Zugriff auf bestehende Schemata aus der reichen Folklore, der nicht durch einen zwanghaften Trieb zum Bruch mit allen Hörgewohnheiten seiner Mitmenschen getrübt wird.
Während Martinůs 3. Sonate für Klavier und Cello häufiger für CD eingespielt werden, dürften die beiden anderen Stücke für viele Hörer zu wahren Entdeckungen werden, wofür auch die herrausragende Interpretation der Werke sorgt. Die Preisträger des Musikfestivals „Prager Frühling“ Tomaš Jamník und Ivo Kahánek, die mittlerweile mit etlichen weiteren internationalen Auszeichnungen bedacht wurden, fühlen sich der Musiktradition ihres Heimatlandes verbunden und haben das Material für diese CD selbst ausgewählt.
Entrückte Nähe
Bis vor wenigen Jahren noch haben die beiden Instrumentalisten gemeinsam an der Prager Musikhochschule HAMU studiert, und am Beispiel etwa des elegischen dritten Satzes der „suita balladica“ des vor einem Jahr verstorbenen Petr Eben läßt sich festmachern, was ihr Zusammenspiel auszeichnet: Immer wieder kommen ihre fast entrückten Klänge aus einer scheinbaren Ferne, um nur im nächsten Augenblick doch ganz nah zu sein, ohne dass die Musiker in eine pathetische Zaghaftigkeit verfallen wären oder sich umgekehrt ganz besonders heftig an ihren Instrumenten abgearbeitet hätten – Musik wie aus einem Guss.
Diese CD ist eine, wie sie besser kaum hätte gelingen können, wozu die Zusammenstellung der Stücke ebenfalls beiträgt. So sehr ist sie gelungen, dass sogar ihr Produzent sie auch privat des öfteren höre, was er nach seiner Aussage mit eigenen Einspielungen, die er zuvor bereits bis ins kleinste Detail immer und immer wieder abhören musste, nur sehr selten tut.
Bliebe da einzig die Verpackung. Aber worüber sollte man sich heutzutage eigentlich mehr freuen können, als wenn es denn einmal andersherum gekommen ist, und der Inhalt einer Ware mehr hält, als seine Verpackung verspricht.
„Werke für Cello und Klavier“
Tomaš Jamník (Cello), Ivo Kahánek (Klavier)
Bohuslav Martinů: Sonate für Cello und Klavier Nr. 3, Variationen über ein slowakisches Volkslied
Petr Eben: Suita balladica
Luboš Sluka: Sonate für Cello und Klavier
Weitere Information unter: www.supraphon.com
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