Zeit, Raum und Vogelstimmen - Messiaen im Rudolfinum

Am 10. Dezember wäre Olivier Messiaen hundert Jahre alt geworden. Während bereits beim Prager Frühling und dem Festival Audite Organum dem Orgelwerk des 1992 verstorbenen französischen Komponisten und Organisten gedacht wurde, wird nun am 27.11. und 28.11. die Tschechische Philharmonie zusammen mit den bekannten Stücken “La Valse” und “Daphne et Cloe” von Maurice Ravel zwei Orchesterwerke von Olivier Messiaen aufführen.

“Zeit ist die Antithese zur Unendlichkeit”, sagte der tiefglaübige Katholik einmal, “erst sie läßt uns die Unendlichkeit verständlich werden”. Messiaen nannte seine Kompositionen “Meditationen” und gab ihnen entsprechende Titel. So heißt etwa der zweite Satz seiner Pfingstmesse “Vom Sichtbaren und Unsichtbaren”, was gar als Motto über all seinem Komponieren stehen könnte. Zu dessen Hörbarmachung ließ sich Messiaen neben Rhythmen der indischen Musik oder Naturgeräusch wie etwa den prasselnden Regen vor allem vom Gesang der Vögeln inspirieren.

Für die Suite für “Exotische Vögel” (Oiseaux éxotiques) aus dem Januar 1956 für Bläser, Schlaginstrumenten und Klavier, die am Donnerstag und Freitag auf dem Programm steht, stand aber nicht nur der Gesang der Vögel als Quelle der Inspiration bereit, sondern auch die prächtigen Farben der exotischen Papageien wollte Messiaen in Töne umsetzen.

Vor dieser schwierigen Aufgabe stehen an den beiden Abenden der junge, aber in der Umsetzung neuerer Musik bereits erfahrene Pianist Daniel Wiesner, und der japanische Dirigent Kazushi Ono. Auch das zweite Stück von Messiaen beschäftigt sich mit Farben. Das 1963 in Donaueschingen uraufgeführte Stück Farben der Himmlischen Stadt” (Couleurs de la cité céleste), womit Jerusalem gemeint ist.

Auch das ist ein folgerichtiger Titel, denn Messiaen ist ebenfalls ein visualisierender Künstler und seine Werke brauchen Musiker, die sie durchschauen. Denn es ist schauende Musik, die sich beim Hören fast unweigerlich vor dem inneren Auge visualisiert. Und obwohl der Messiaen von sich sagt, er sehe Farben, wenn er Musik höre, und sich in frühster Jugend durch die Betrachtung farbiger Kirchenfenster inspirieren ließ, erscheint sich die Formensprache aber auch sehr grafischen Mitteln zu bedienen: Strichen, Schraffierungen, Flächen. Die langsam aufgebaute Spannung kulminiert nicht im Orchesterbombast, sondern entschwindet in klaren, prägnanten Tonfolgen irgendwo in Zeit und Raum, und so wie es seinen Überlegungen zur Unendlichkeit entspricht, sagte er zu über seine Kompositionen, sie haben weder Anfang noch Ende. Dafür aber klingen sie beim Zuhörer noch lange nach.

Für Liebhaber dieser Musik ergibt schon in wenigen Tagen die Möglichkeit weitere Werke von Messiaen zu hören. Am 7. Dezember wird im Rahmen eines so genannten “Minifestivals” sein vielleicht bekanntestes Kammerwerk, das Quartett für das Ende der Zeit (Quatuor pour la fin du temps) im Saal Martinů der Musikhochschule HAMU im Lichtenstein Palais aufgeführt. Daneben wird ein zweiter Hundertjähriger geehrt, Miloslav Kabelač, dessen dort gespielten Klavierpräludien ebenfalls in die Reihe dieser ganz besonders nachhaltigen Tonsetzungen gehört.

 

  • Tschechische Philharmonie, Rudolfinum
  • 27.11. und 28.11.2008, 19.30 Uhr

Infos und Programm: www.ceskafilharmonie.cz oder www.czechphilharmonic.cz

Karten an der Kasse im Rudolfinum und unter: vstupenky@cfmail.cz

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