Crisis? What crisis?

Dank gilt dem Dalai Lama, dass er sich um das Wohlbefinden der tschechischen Wirtschaft sorgt. Doch Gottlob konnte man ihm aus vermutlich ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen versichern, dass die Tschechische Republik in diesen anderswo turbulenten Zeiten eine Insel der Glückseligen ist. Wir wissen natürlich nicht, woher der weise Mönch seine Informationen hatte. Darüber können wir nur Vermutungen anstellen, doch saß da nicht letzten Sonntag bei der öffentlich abgehaltenen Vorlesung des Dalai Lamas zu dem Thema „Wie erlange ich eine friederfüllte Seele“ in der ersten Reihe auch unser Bürgermeister und Tunnelbauer? Und trug er nicht schon den weißen tibetischen Schal, den der Dalai Lama als Dank allen seinen Gastgebern umhängt?


So muss es also unser Bürgermeister gewesen sein, der den tibetischen Gast mit den erfreulichen Aussichten der Autoindustrie oder des Baugewerbes, hier speziell natürlich des Tiefbaus, versorgt hatte. Und sicher hat er seinen Blick auf die Wirtschaftslage ganz nach den Anforderungen des Dalai Lamas an eine gründliche Analyse zum Erkennen der Realität aus allen Richtungen schweifen lassen, ganz besonders natürlich aus jener, die einem großen Tunnelbauer wie ihm eigen ist.

So konnte also das geistliche Oberhaupt der Tibeter gleich zu Beginn der Vorlesung seiner Erleichterung und Freude über den guten Zustand der hiesigen Ökonomie Ausdruck verleihen. Das beruhigt uns wiederum um so mehr, als dass doch über dem Prager Kongreßzentrum, wo der Dalai Lama in ausverkaufter Halle über zwei Stunden Rede und Antwort stand, der weithin sichtbare Werbeslogan eines hiesigen Geldinstituts prangt, den wir schon beinahe nur noch als Drohung empfunden hatten: „Meine Welt, meine Bank“.

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