Mein erster Halbmarathon als Walker - Teil 1

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Am Samstag bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen, beim “Hervis Prague Half Marathon“. “Gelaufen” ist für Sprachpuristen wahrscheinlich das falsche Wort, aber es kommt der Art von Fortbewegung, mit der ich die rund 21100 Meter zrückgelegt habe, doch sehr nah: irgendwas zwischen “Walking” und “Wettkampfgehen”, ein Mischmasch, das ich mir in den zurückliegenden acht, neun Monaten als autodidaktischer Sportneuling angewöhnt habe. Schön ansehen lässt sich dieser Stil sicher nicht, dafür aber bekommt man damit ein ganz ordentliches Tempo hin. Meine Zeit war zwei Stunden 27 Minuten und 55 Sekunden, also knapp 8,6 Kilometer pro Stunde.

Damit hielt ich nicht nur mein Vorhaben ein, im offiziellen Limit von von drei Stunden zu bleiben, sondern erreichte einen neuen persönlichen Geschwindigkeitsrekord über eine Langstrecke - die 16-Kilometer-Marke passierte  ich nach einer Stunde und 47 Minuten, das entspricht einem Durchschnitt von fast 9 km/h. Dass ich trotzdem nicht mit ungetrübtem Stolz an den Samstag zurückdenke, hat mit der Erfahrung eines Phänomens zu tun, das ich voher so nicht kannte, obwohl ich aus einschlägigen Internet-Foren vorgewarnt war: etwas wie Geher-Feindlichkeit unter den Teilnehmern, zumindest aber eine Art Arroganz derer, die  den Halbmarathon “ordentlich” angehen, nämlich im Dauerlauf.

Als ich mich entschloss, am Prager Halbmatrathon teilzunehmen, irgendwann Ende Februar, Anfang März, fragte ich bei den Veranstaltern vorsichtshalber an, do you accept walkers. Sie sagten ja, und ich machte mich ans Training. Statt der üblichen 35 Kilometer schraubte ich mein Wochenpensum auf rund 50 Kilometer hoch und achtete dabei darauf, nicht unter einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 km/h zu bleiben. Das klappte recht gut, und als ich am Wochenende vor dem Event eine Teststrecke von 14 Kilometern ohne große Anstrengung in einer Stunde und 40 Minuten “lief”, fühlte ich mich halbmarathontauglich.

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Das Läufer-Gebot, am Vorabend möglichst viel Kohlehydrate aufzunehmen und den Weltrekord im Pasta-Essen anzugreifen, hielt ich nicht ein. Anderthalb Teller Spaghetti mit Pesto-Sauce waren es trotzdem, darunter wird es bei mir aber sowieso selten. Dazu ein paar Gläser Rotwein und Spekulationen mit dem Taschenrechner: Wenn du die ersten soundosviel Kilometer in soundsoviel Minuten schaffst, kannst du die restliche Strecke mit soundsoviel Schritten pro Minute abspazieren. Irgendwann hatte ich mich müde und mutig gerechnet und ging schlafen.

Das Laufzeug lag vorbereitet im Vorzimmer. Offen blieb nur die Frage, welche Schuhe ich nehmen würde. Sollte es regnen, wie das tschechische Wetteramt voraussagte, wären meine Lieblingsschuhe untauglich, und ich müsste die schweren “Rain Walker” (sie heißen wirklich so) nehmen. Mit denen bin ich zwar langsamer, aber die drei Stunden müssten trotzdem zu schaffen sein.

Es regnete nicht. Nach einem Spiegelei-Frühstück mit meiner Tochter und der x-ten Versicherung an sie, dass ich wirklich noch bei Trost sei, mir alldas anzutun, warf ich mich ins Laufzeug. Vorn auf die Brust  hatte ich meine Startnummer geheftet, inklusive Mikrochip zum Messen der Zeit. In der Brusttasche steckte meine tschechische Versicherungkarte, ein 100-Kronen-Schein und ein Zettel mit eiem Namen und einer Nummer für alle Fälle. So stieg ich in die Straßenbahn und fuhr zur Malostranská, um von dort über die Mánes-Brücke zum Startpunkt am Rudolfinum zu gehen. Von irgendwo rollte das Trommeln einer Samba-Schule herüber, ein paar Dutzend aufgekratzter Marathon-Fans mit Trillerpfeifen und merkwürdigen Plastikröhren, die sich später als phonstarke Klatschhilfen erwiesen, nahmen beiderseits der Brücke zum Spalier Stellung.

An denen musst du also vorbei, dachte ich und empfand erstmals etwas wie Wettkampffieber. Oder war es die Vorahnung, dass diese Leute keuchende Läufer sehen wollten, nicht entspannte Walker?

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