Das europäischste aller Festivals feierte Abschluss
Letzten Samstag ist die diesjährige Ausgabe desjenigen Festivals zu Ende gegangen, das immer wenn in Prag der Frühling herrscht, musikalische Kultur aus ganz Europa, ja der Welt durch ihre besten Protagonisten präsentiert: Khamoro, das Festival für die Kultur und Musik der Roma.
Wie in jedem Jahr wurden in der letzten Maiwoche Bands und Romakünstler aus ganz Europa präsentiert, begonnen mit „Gypsy-Jazz“, der eher in Westeuropa nach dem Vorbild Django Reinhardts gepflegt wird und dieses Mal von Rosenberg Trio aus Holland vertreten war, über die Tanz und Stimmwunder Leonsia Erdenko und Monika Lakatos mit der Gruppe Romengo aus Russland oder Ungarn oder die großartige Bühnen-Show von Acquaragia drom aus Italien, bis hin zu den Meistern ihres Faches, dem Akkordionisten Lelo Nika aus Dänemark, dem heimischen Violinisten Marek Balog oder der Spitzenband Nadara aus Rumänien.
Es ist das Festival, wo man sehen kann, mit wieviel Energie und Herzblut man eine Kultur leben kann, und wie tief kulturelle Wurzeln über alle Zeitläufte und geografischen Entfernungen hinweg schlagen können, un das trotz - oder wegen - allgemeiner Verachtung, dem Vernichtungswahn oder der heutigen Zwangssesshaftigkeit. Vermutlich wird nicht ein Problem durch ein Musikfestival gelöst, welchen die Roma in den einzelnen Ländern und Staaten mit der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft aber auch mit- und untereinander haben. Aber diese komprimierte Vorführung einer lebenden Kultur mag sowohl den Roma selbst, aber auch all den Anderen zeigen, dass es sich bei dieser Kultur um die vielleicht einzige wirklich gesamteuropäische handelt.
Und siehe, die Konfrontation mit dieser Kultur läßt den Vertreter einer dieser Mehrheitsgesellschaften, also einen dieser europäischen Bürger mit Sesshaftigkeits-Hintergund sich dabei ertappen, froh darüber sein, dass die einzige den ganzen Kontinent umfassende Kultur einer Lebensart entspringt, die ihre ganze Energie auf etwas anscheinend sinnfreies wie Musik, Gesang und Tanz verlegt hat, doch nur, nur um gleich schon wieder das Gefühl zu haben, auch mit dieser Erkenntnis doch nur wieder einem Vorurteil aufgesessen zu sein. Mit anderen Worten: Welches Festival gibt einem viel zu denken und macht dabei gleichzeitig so ungeheuerlich viel Spass? Also unbedingt vormerken: Letzte Maiwoche 2010: Khamoro, das europäischste aller Festivals.
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