Was wir schon immer voneinander wissen wollten…
… und nicht zu fragen wagten. Frauen und Männer, wenn sie sich endlich einmal die Meinung sagen, sollten lieber getrennt voneinander bleiben. Dann erst werden sich die wahren Gefühle, Bedürfnisse und Klagen offenbaren.
Nach diesem Prinzip hat die Innenarchitektin und Textildesignerin Lenka Mašková ihre neueste Rauminstallation in der alten Synagoge von Palmovka in Prag 8 aufgebaut: Ein großes weißes Tuch teilt wie ein Vorhang die Halle des einstigen Gebetshauses in zwei abgetrennte Bereiche für Frauen und Männer auf. Doch es geht ja nicht um Trennung, sondern Kommunikation. Auf beiden Seiten Taschentücher aufgenäht, schlichte Herrenkarierte ebenso wie feine Nasenschnupfer. Jedes von ihnen ist zu einer Tasche geworden, in der ein Zettel Platz hat mit einer Nachricht an das andere Geschlecht, die sich durch den feinen, durchscheinenden Vorhangstoff nur von der anderen Seite lesen läßt.
Im besten Sinne einer Klagemauer - soviel kann der Berichterstatter von seiner Seite des Vorhangs berichten - werden dort Forderungen an die jenseitigen Adressaten gestellt, etwa nach mehr Einfühlungsvermögen. Aber auch so manchem unter ihnen wird ein wenig Hoffnung vermittelt: “Pure Größe zählt nicht!”. Eine Beschwichtigung allerdings, in der ein herausfordernder Unterton gleich mitschwingt. War es also klug, die Aufforderung an die Adressatinnen auf der anderen Seite zurückzuschicken, doch einfach nur zu bleiben, was sie sind?
Letzten Montag wurde diese herausfordernde, aber auch einfach nur schöne Installation in dem beeindruckenden Umraum mit einer Performance des Nationaltheater-Schauspielers Vladimír Javorský eröffnet, noch drei Wochen lang läßt sie sich bestaunen und bestücken. Aber auch danach - davon ist dann gottlob auszugehen - wird die Kommunikation zwischen Frau und Mann nicht wieder abreißen, und sicher kann es keinen besseren Anlass geben weiter zu fragen und zu klagen, als die Finisage der Ausstellung am 12. Oktober, auf der das Gesangsduo Kateřina Dušková und Libor Moštěk jüdische Lieder beisteuern wird - Klagelieder oder doch auch mal ein Liebeslied?
Foto: Katahrina Magercord
Die neuesten Beiträge von Michael Magercord
- Dünkirchen-Prag: Tröstliches Requiem - 11.10.2011
- Tschechischer Filmemacher gewinnt Preis im Filmfestival der Meere von Dünkirchen - 03.07.2011
- Saisonauftakt der Tschechischen Philharmonie - 07.09.2010
- Prager Frühling erfüllt Träume - 17.05.2010
- Saisonvorschau der Tschechischen Philharmonie - 03.05.2010
- In der Kräutersammlung der Nachtoptiker - 07.11.2009
- Drinnen Kunst, draußen Performance - 21.07.2009
