Monatsarchiv für November 2009

Es weihnachtet sehr auf dem Altstädterring

Als ich letzte Woche über die Facebookgruppe „Erasmus Orgasmus Prag“ die Einladung zur feierlichen Eröffnung des 27 Meter hohen Christbaums auf dem Altstädterring erhalten hatte, dachte ich mir verächtlich „Oh man, die Erasmusstudenten nutzen aber auch wirklich jeden Vorwand um sich zu besaufen“, zumal das Schreiben mit dem Hinweis versehen war, dass es sich hierbei um ein Event handle, was nur einmal im Laufe des Erasmusjahres stattfinden werde und man somit quais gezwungen sei, daran teilzunehmen. (mehr…)

O Tannenbaum, wo sind deine Blätter?

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Samstagabend 17.45Uhr. Ich bahne mir meinen Weg durch die Menschenmassen an der Metrostation Staroměstská. Ich hatte ja mit viel gerechnet. Mit vielen. Doch mit so vielen? Es ist Volksfeststimmung. Massen strömen in Richtung Staroměstské Náměstí. Der Grund: Heute Abend wird der Weihnachtsmarkt eröffnet und der große Weihnachtsbaum zum Leuchten gebracht. Ich treffe mich vor 15 Minuten mit Freunden unter den Bäumen am Rande des Platzes. Wir geben den Versuch, ins Zentrum des Geschehens zu gelangen, bald auf.

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The Devil On My Shoulder - Billy Talent in der Tesla-Arena

jjjj_353x494.jpgSamstag, Eiseskälte, stockdunkle Nacht. Im Eilschritt laufen wir zur Tram. Wir sind spät dran. Kommt die 12 schon? Nein? Gut, dann noch schnell via Handy eine Fahrkarte für meinen Besuch ordern. Natürlich habe ich trotz diverser Erinnerungszettel vergessen in Andĕl noch schnell eine zu kaufen. Doch dank des technischen Fortschritt in Tschechien, den mein Besuch im Übrigen neidvoll zur Kenntnis nimmt, kann man hierzulande nun Fahrkarten mit einer Gültigkeit von 90min via SMS ordern. Einfach DPT an die 902 06 schicken und schon kriegt man einen Code, dem man dem Kontrolleur bei bedarf unter die Nase halten kann und ist nicht mehr hoffnungslos dem Schicksal ausgeliefert, wenn man mal wieder die Trafikaöffnugnszeiten verpasst hat oder sich irgendwo im Nirgendwo befindet. Nein, natürlich habe ich in der Eile das Handy vergessen und muss noch mal zurück. Nun aber schnell, wir sind echt spät dran. Gott sei dank, da kommt Tram No. 12 auch schon angebraust. Nichts wie rein. Ca. 20 Minuten später sind wir dann an der Tesla-Arena, wo heute Nacht Billy Talent die Halle zum kochen bringen wird.
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Donuts statt Knüppel – 20 Jahre Samtene Revolution

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Zuerst sah ich das Feuerwerk. Ich habe noch nie so viele Feuerwerke gesehen wie in Prag, meistens wunderschön. Die Menschen auf der Straße sangen die Hymne, „Kde domuv muj“, und dann die zweite Strophe, die slowakische. Ich bin beeindruckt, überwältigt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das Prag ist, die Stadt, in der ich nun schon seit knapp vier Monaten lebe. Doch es ist Prag, meine Stadt, da im Fernsehen. Ja, im Fernsehen, ich muss gestehen, ich war nicht auf der Demo. Arbeit, kochen, einkaufen, solche Sachen, dann war es 6 Uhr abends. Ich fahre los, Tramvaj 18, so wie immer, hier in Petriny ist es ganz ruhig.

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Schicksal und Hoffnung – Eindrücke vom Theaterfestival deutscher Sprache

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Da es mit der Landessprache noch nicht so ganz funktioniert und der letzte Versuch, ein tschechisches Theaterstück zu verstehen, kläglich scheiterte, war es doch eine große Freude zu vernehmen, dass auch in Prag ein Theaterfestival der deutschen Sprache stattfindet.

Dies war eine willkommene Gelegenheit endlich die verschiedenen Theatergebäude zu besichtigen und ein paar tschechische Freunde einzuladen, um sie mit den Tücken der deutschen Sprache zu ärgern. (mehr…)

Vom vergangenen Ruhm – Das Stadion Strahov

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Es ist Sonntagnachmittag. Nach einer anstrengenden Woche und einem ebensolchen Wochenende hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, den ganzen Tag im Schlafanzug zu verbringen und endlich mal die seit Wochen vernachlässigten Unisachen zu machen. Doch wie immer, wenn ich Pläne für einen Tag mache, kommt mein Mitbewohner und durchkreuzt sie. Diesmal wollte er unbedingt einen Spaziergang machen, weil doch das Wetter so schön sei und wir ja gleich um die Ecke vom Petřin wohnen. Zuerst hatte ich ja noch Hoffnung, dass ich mich aus der Affäre ziehen könnte, weil er Bücher von einer Kommilitonin brachte und dann diese in die Natur schleifen wollte. Doch leider befand sie sich auf der Chata irgendwo im nirgendwo. Und da ich Männern ja nur sehr schwer einen Wunsch abschlagen kann, und Matĕj schon mal gleich gar nicht, ließ ich mich schließlich überzeugen, und stimmte unter der Bedingung, dass wir die Seilbahn nach oben nehmen und es nicht länger als maximal eine Stunde dauern würde, schließlich zu. (mehr…)

Beifall! Mauerfall.

Als die Mauer fiel war ich gerade mal zwei Jahre alt. Es bleibt mir also verwehrt, über Erinnerungen an die bewegenden Ereignisse von damals zu schreiben. Auch wenn ich mir das manchmal insbesondere an Tagen wie letzten Montag wünsche. Es berührt mich jedes Mal sehr, wenn ich Fotos und Videos vom 9. November 1989 sehe. Wenn ich schon nicht auf dem Megaevent in Berlin zum 20. Jahrestag sein konnte, so wollte ich den Mauerfall wenigstens in Prag feiern. Und was böte sich da besser an als eine Party organisiert von der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut Prag?

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In der Kräutersammlung der Nachtoptiker

Junges Jazz-Ensembles „Noční optika“ im AghaRTA

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Eine neurotische Meditation gefällig? Oder gleich dem phlegmatischen Wahnsinn verfallen? Sonntagabend, den 8 November, spielt die Band „Nachtoptiker“ im Klub Agharta und bietet laut eigener Aussage genau das: neurotischen Phlegmatismus, Metropolenfieber und Waldesruh, hinauf in die Höhen von Wolkenkratzern und Baumwipfeln, und das alles ganz unten, in dem bekannten Prager Jazzkeller.
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Vom trampenden Teufel und Maden in Hongkong - mein erstes Mal im Narodní Divadlo

100_0471_396x297.JPGEs ist kurz nach halb fünf nachmittags‚ langsam dämmert es in Prag. Es regnet. Ich tripple durch die Stadt, immer schön darauf bedacht, mit den Absätzen nicht in einer der tausend Ritzen und Fugen zwischen den Pflastersteinen hängen zu bleiben oder in eine der dutzenden Pfützen zu tatschen. Vergeblich! Galant hält mir meine Begleitung den Arm hin.

Wir sind auf dem Weg zum Narodní Divadlo, wo gleich im Rahmen des Prager Theaterfestivals Deutscher Sprache eine Lesung des schweizer Autoren Franz Hohler mit dem Titel „Groteske Geschichten“ stattfinden wird. Es ist mein erstes Mal im Nationaltheater. Gespannt schiebe ich mich durch den roten Samtvorhang. Mit großen Augen bestaune ich das Interieur, doch habe ich dafür nicht viel Zeit, denn gleich beginnt die Lesung. Vor mir tut sich nun ein mir unbegreifliches Tunnelsystem auf. Mit Pendellampen an den Decken wirkt es wie das verwinkelte Innere einer Burg, mit vielen Geheimgängen, in die ich nun eindringe. (mehr…)

Wie ein blutig Eisen

Eine adrette Blondine mit Mobiltelefon lächelt mich von einem überdimensionalen Plakat konsumfreudig an. Neben ihr steht mit Schäfchenwölkchen hinterlegt der Schriftzug ”Hello everybody”. Etwas befremdlich wirkt die Kulisse des Divadlo na Vinohradech auf den ersten Blick. In wenigen Minuten wird hier “Woyzeck” aufgeführt. Das auf Tschechisch gespielte Stück mit deutschen Untertiteln bildet den Auftakt des 14. Prager Theaterfestivals Deutscher Sprache. (mehr…)

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