Monatsarchiv für 4 2010

Geschichten aus der rodinka 1 Freibier und Populismus

Ich hätte es nicht tun sollen. Nicht am frühen Morgen, nach einer Nacht, die unruhig war, weil Mathilda zahnt. Aber ich konnte es nicht lassen. Eine Freundin hatte mir am Vorabend davon erzählt und so habe ich am Morgen, noch vor dem Frühstück, den Computer eingeschaltet und es mir angesehen: einen Beitrag auf der Webseite des Nachrichtenmagazins „Reflex“, der den Titel trägt: „Pohádka pro asociální demokraty (Märchen für Asozialdemokraten).“ Der Text, den der Reflex-Autor Jiří X. Doležal angeblich per mail geschickt bekommen hat und zu dessen weiterer Verbreitung (wie „Samizdat unter den Bolschewiken“) er heroisch aufruft, will in Parabel-Form das Steuersystem der „Sozen“ erläutern. Heraus kommt dabei – wenig überraschend–, dass diejenigen, die am meisten verdienen, die Doofen sind, weil sie am meisten zahlen müssen. Wenn sie aber genug davon haben und aus dem Umverteilungssystem aussteigen, dann bricht dieses zusammen und die gierigen Schmarotzer, die nichts zahlen und am liebsten noch mehr bekommen würden, gucken blöd aus der Wäsche. Und, so endet der Text, diese Schmarotzer sind es, die ČSSD und KSČM wählen. Und die im Übrigen auf den anbei gestellten Bildern zu sehen seien (die angeblich von einem „Leser, der nicht genannt werden will“, gemacht worden sind).

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Nahodou der beste Tag in meinem Leben

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Eigentlich war es ein ganz normaler Dienstagmorgen, bis ich die E-Mail gelesen habe. „Du kannst heute Abend zu Sepultura ins Modrá Vopice. Du stehst auf der guest list. “Oh my goddess, wie geil ist das denn!“, zumal ich überhaupt nicht mehr damit gerechnet hatte, dass das noch klappen würde. Gleich machte ich erst mal Sepultura an und headbangte eine Runde. Doch dann schoss es mir durch den Kopf: „Was soll ich nur anziehen? Ich muss die Kameraakkus aufladen! Wann geht es überhaupt los? Nochmal schauen, wie ich zur Location, dem Modrá Vopice, einem geilen Klub in Vysočany, komme.“ Gott sei Dank war ich letzte Woche auf einem Konzert von Stillknox schon mal da. Doch sicher ist sicher. „Und checken, wie ich wieder nach Hause komme mitten in der Nacht.“ Dann fiel mir auch noch auf: „Ich werd ja da ganz allein hingehen! Denn keiner meiner Freunde wollte mit. Oh my Goddess.“

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Von gewalttätigen Kindern, Ehebetrügern und Hausrenovieren - das 17. Eurofilmfest in Prag

100_4145_303x4932.JPGEigentlich mag ich Kino nicht. Irgendwie wird mir immer klaustrophobisch zumute, wenn ich da so eingequetscht zwischen all den Menschen sitze und dann geht das Licht aus und ich bin für Stunden gefangen. Aber Ängste sind ja dazu da, überwunden zu werden und was wäre dazu besser geeignet, als ein Filmfestival, bei dem man im Besitz einer Akkreditierung ist?

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Klamotten, Klingen und Curry. Ein Besuch auf dem Asiamarkt in Holešovice.

Prag hat ja so einiges an Einkaufsmöglichkeiten zu bieten. Wer aber gerne feilscht und die ein oder andere Skurrilität sucht, muss dem Asiamarkt im Prager Stadtteil Stadtteil Holešovice einen Besuch abstatten. Etwa 300 Meter von der Metrostation Vltavská (Linie A) entfernt, beginnt ein Areal, auf dem sich so ziemlich alles finden lässt, was man sucht. Ob es gebraucht wird, ist eine andere Frage, die hier aber auch nicht wirklich beantwortet werden muss, solange der Preis stimmt.

Direkt am Moldauufer empfangen ein paar kleine Restaurants und das große Tor die Gäste. Was zunächst wie ein kleiner Jahrmarkt aussieht, entpuppt sich recht bald nach den ersten Schritten als ein riesiger Freiluftsupermarkt voller Verkaufsstände, Hallen und Imbissbuden. Man sollte genug Zeit einplanen, wenn man das Gelände in aller Ruhe erkunden will.

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Von traurigen Tieren und kreischenden Mädchen - ein Ausflug nach Prag 7

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Die Zeit tickt - ich habe nicht einmal mehr ganz sechse Monate hier und die Liste mit Sachen, die ich unbedingt noch machen muss, wird täglich länger. Letzten Sonntag war es dann auch endlich soweit und anstatt mal wieder fünf neue Ausflugsziele auf die Liste zu setzten, habe ich einfach mal einen gemacht. Und zwar zuerst in den Zoo und danach noch auf die Matĕjská pout’, eine Art Volksfest oder Kirmes auf dem Ausstellungsgelände Výstavištĕ.

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Egészségedre

Was kann man sich schöneres vorstellen als Ostern in Prag zu verbringen?

Tja, ich dachte mir: Ist doch langweilig, fahr ich lieber mal nach Budapest! Ich bin also freiwillig am Karfreitag um 5 Uhr früh aufgestanden und 7 Stunden lang Bus gefahren. Mit dem Flugzeug wäre es wesentlich schneller gewesen, aber als Studentin hab ich lieber die billigere Variante mit OrangeWays gewählt.

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Don Giovanni, oder interkulturelles (Un)-Verständnis

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Nun hat sich ja mein Mitbewohner schon des Öfteren beschwert, dass ich seiner Meinung nach zu viel sex, drugs and rock ‘n’ roll, wie er meine Ausflüge in die das Nachtleben immer nennt, betreibe, und viel zu wenig von der wunderbaren Kultur in Prag mitbekomme. Und ich muss gestehen, als ich mal ein bisschen darüber nachdachte, kam ich auf den Gedanken, dass ich mich neben etlichen Rock- und Metalkonzerten in diversen mehr oder weniger dunklen Kellern doch mal der hochgeistigen Kultur widmen sollte.

Kurzerhand hab ich dann beschlossen, mir doch mal wieder eine Oper anzusehen. Was wäre da in Prag besser als Don Giovanni? Schließlich wurde das Stück hier ja uraufgeführt. Noch schnell eine Kommilitonin überredet, mitzukommen und auch ganz ohne Rabatt mit der ISCI-Karte eine billige Karte für 250 Kronen erstanden, zugegebenermaßen gaaaanz oben im Stavovské divadlo, und schon ging es auch los. (mehr…)

Nordböhmen, Dresden und zurück - Impressionen eines Osterausflugs

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Eigentlich waren meine Ostertage ja schon fest verplant gewesen – Karfreitag mal alle Viere von mir strecken und die Seele baumeln lassen und den Rest der Zeit wieder richtig ranklotzen. Immerhin müssen noch Vorbereitungen getroffen werden für Referat, Hausarbeit, Abschlussarbeit und was das Studentenleben sonst noch so von einem abverlangt. Wie es aber nun mal so ist, hätte ich nichts zu berichten, wenn nicht die Macht der Routine aufgebrochen worden wäre und das nicht Erwartete sich ereignet hätte.

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Von alten Sofas, Plakaten und Nähtischen - Hostivař ganz kreativ!

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Es ist ja bekanntlich nicht nur ein Gerücht, dass die sozialistische Bauweise eher als kühl, monoton und menschenunwürdig wahrgenommen wird.  Auch unser Wohnheim in Praha-Hostivař bildet da keine allzu große Ausnahme. So besteht die ganze Anlage aus sieben uniform wirkenden Punkthochhäusern, die sich in ihrer äußerlichen Gestalt in nichts unterscheiden. Auch im Innenleben der einzelnen Häuser begegnet man den immer wieder gleichen Aufbau. Jedes Haus verfügt über acht Etagen, mit jeweils einem langen Gang, von dem auf jeder Seite fünf Türen zu den einzelnen Wohnräumen abgehen. Die Einförmigkeit spiegelt sich natürlich auch in den einzelnen Zimmern wieder. 12 qm, ein Bett, ein Tisch ein Schrank für jeden. Die einzige Überraschung ist, dass in manchen Häusern die Möbel schwarz lackiert sind, in anderen wiederum eine helle Holzfarbe besitzen. Um das Innenleben dieser Häuser bzw. Wohnungen freundlicher zu gestalten, müssten beispielsweise noch trendige Möbel besorgt werden.

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Blasehase und Eiinator - Vorbereitungen auf Ostern

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Ich weiß ja nicht genau woran es liegt, möglicherweise daran dass ich alt und sentimental werde, oder einfach daran, dass ich nun nicht mehr bei Muttern wohne aber seit ich hier in Prag lebe, steh ich so total darauf, die Wohnung zu Feiertagen festlich zu schmücken und ähnliche Fisimatenten. Schon zu Weihnachten habe ich allen möglichen Kitsch nach hause geschleppt und meinen Mitbewohner in den schieren Wahnsinn getrieben, weil ich unbedingt mit ihm Plätzchen backen wollte. Letztendlich hat er sich aber erfolgreich gewehrt. Doch nun stand Ostern vor der Tür, und damit eine neue Chance für mich.

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