Saisonvorschau der Tschechischen Philharmonie
Der Ort der Pressekonferenz zur Präsentation der kommenden Konzertsaison der Tschechischen Philharmonie war wohl gewählt, der Präsidentensaal des Rudolfinums, der Zeitpunkt auch, denn immer wieder drangen die eindringlichen Töne von Beethoven aus dem Konzertsaal, worin die Musiker übten. Mit ihren Klängen im Ohr stellte der nicht mehr ganz neue Direktor Vladimír Darjanin klar, dass die Česka Filharmonie (ČF) weiter Riesenschritte auf dem Weg zum Kulturunternehmen macht, und vermutlich bleibt dieser Gang in Zukunft wohl keiner Kulturinstitution erspart.Musik wird es natürlich trotzdem geben in der kommenden Saison, und klingende Namen unter den Solisten auch. Vor allem Mahler-Fans, die es ja gerade in Prag reichlich geben soll, werden voll auf ihre Kosten kommen, da der Chefdirigent Eliahu Inbal nun damit beginnt, sein Vorhaben ernst zu machen, sämtliche Symphonien des mährischen Komponisten mit der ČF als CD aufzunehmen.Bei der sonstigen Auswahl der Stücke dominieren Werke von Komponisten, die das zeitliche schon länger gesegnet haben und nur noch durch ihre Musik leben. Neue Werke oder gar Premieren werden eher selten zu hören sein, die interessanteste Premiere, die die Tschechische Philharmonie in dieser Saison verwirklichen wird, findet nicht einmal in Prag statt, in Brünn wird am 13. Oktober das neue Werk des talentierten Nachwuchskomponisten Slavomír Hořínka uraufgeführt. Und die Prager Premieren, das einstige Festival Neuer Musik, das unter dem Dach der CF stattfand, sind endgültig begraben. Wagnisse in der Programmgestaltung lassen sich eher in der Kammermusikreihe finden, als im symphonischen Kernbereich der Tschechischen Philharmonie.Dafür aber wird die Musik in immer neue Zusammenhänge gestellt, um eine bestimmte Zielgruppe ins Visier zu nehmen und in den Konzertsaal zu locken. In der nächsten Saison wird es die Schwangeren treffen. Bestimmte Konzerte wurden zu einer „Werdene Mütter-Reihe“ zusammengestellt, die unter musiktherapeutischen Gesichtspunkten ausgewählt sind. Dieses Konzept zur Konzertvermarktung wird in Japan bereits erfolgreich durchgeführt. Dort - so steht allerdings zu befürchten – stehen wohl eher die pädagogischen Vorteile in bezug auf die musische Entwicklung des Fötus im Vordergrund. Wie dem auch sei, Schlinggewächse sollen sich ja um die Lautsprecher winden, wenn aus ihnen Mozart erklingt und sich vor Abscheu abwenden, wenn heftiger Rock erschallt. Und was den Schlingpflanzen gut tut, kann Schwangeren und ihren kommenden Kindleins zumindest nicht schaden.Auch das unabdingbare Sponsoring treibt ja immer neue Blüten, mal mehr, mal weniger schöne. Natürlich erinnern wir uns noch an die Autos, die vor drei Jahren plötzlich die Treppen des Rudolfinums versperrten und besonders aufdringlich klarmachen sollten, wer das Festival des Prager Herbst so freundlich unterstützt. Dieses Festival ist mittlerweile kläglich eingegangen, vielleicht auch, weil es sich gänzlich dem Diktat der Vermarktung unterworfen hatte und eine entsprechend obskure Pressearbeit betrieb, wonach Kritiker nur dann in den Saal kamen, wenn sie zuvor bereits Lobendes über das erst noch anstehende Konzert geschrieben hatten.In der Tschechischen Philharmonie wird diese Art der Vorzensur gottlob noch nicht gefordert. Da ist man immer noch willkommen, zumal die Kritiker der Ernsten Muse ja auf der Pressekonferenz nicht nur mit einer bunten Broschüre über den neuen Škoda-Superb-Combi besänftigt wurden, sondern ihnen ebenso ein Spielzeugmodell des Octavias mit auf den Nachhauseweg gegeben wurde.Wer diesen Artikel nun bis hierher gelesen hat und trotzdem neidisch geworden ist auf das hübsche Modellauto, der hat zwar nichts verstanden, kann aber den Neuwagen im Format 1:43 haben, wenn er sich rechtzeitig bei Tschechien Online oder über das untenstehende Antwortformular meldet.Der Programmkatalog der kommenden Saison liegt absofort an der Kasse des Rudolfinums aus.Weitere Infos unter www.ceskafilharmonie.cz oder www.czechphilharmonic.cz
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