WM-Kolumne: Countdown für Krake Paul
Vor dem kleinen und großen Finale
Das Schicksal von Krake Paul orakelt Gerd Lemke.
Über Fußball zu reden macht keinen großen Sinn mehr. (Ich weiß, das ist eine aus dem Englischen übernommene Konstruktion und müsste in schönem Deutsch lauten: Es ist nicht mehr sinnvoll über Fußball zu reden. Aber, war es das jemals?) Also redet die ganze Welt über Krake Paul, sogar in Prag, das ja bekanntlich den Nabel der Welt besitzt (in der Kneipe Limonadový Joe). Gestern habe ich nun die wahren Hintergründe der unfassbaren prophetischen Gaben dieses dummen Viehs gehört. Ich meine, wenn sie tatsächlich so gut ist, könnte sie mir ja mal die Lottozahlen voraussagen. In Wirklichkeit wird Paul aber durch Essen in eines der beiden Aquarien gelockt. Unter strenger Aufsicht eines FIFA-Obmanns werden die Aquarien vorbereitet. Krake Paul handelt also keineswegs aus freiem Willen (bitte, jetzt keine Diskussion, ob Tiere einen freien Willen haben, haben den denn eigentlich Menschen?), sondern entsprechend ihres Nahrungsbedürfnisses. (Ich stoße mich ständig an den weiblichen Personal- und Possesivpronomen im Fall von Paul, der er ist nun mal eine Krake.) Man könnte also sagen, diese Krakerei ist manipuliert.
Gut, da es sich dabei ja nur um ein blödes Spielchen handelt, um die Meute zu unterhalten und vom Wesentlichen abzulenken – erinnert sich überhaupt noch jemand an den Ölteppich im Golf von Mexiko?, was genau wird die neue Gesundheitsreform den einzelnen mehr kosten? – scheint das zunächst von keiner großen Bedeutung zu sein. Wir wundern uns natürlich nur, warum diese Krake stets Recht hat. Also, warum diejenigen, die ihm das Futter in eines der beiden Aquarien legen, immer Recht haben. Denn auch sie können das im Voraus nicht wissen. Wissen sie auch gar nicht im Voraus, wie sollten sie, denkt man zunächst. Doch dann kommt da etwas ins Spiel, das man nicht übersehen darf: Diese ganze Krakerei ist ja nur ein Ablenkungsmanöver und dient dazu, einer bestimmten Gruppe ein Zeichen zu setzen, auf welches Team sie wetten sollen. Vielleicht sogar mehr, als Zeichen für den Schiedsrichter und als Zeichen für die Mannschaften, wobei ich da glaube, dass diese Dinge geregelt sind, bevor Krake Paul ins – tja, wie bewegen sich Kraken eigentlich fort? Kennt jemand das Wort? Krakeln ist was anderes, kriechen auch – kriech-schweb-gleiten kommt.
Genaus so, und das schwöre ich, habe ich es gestern abend aus berufenem Munde gehört. Aus welchem? Na, aus meinem, als ich das Freunden erzählt habe. Und wenn das nicht stimmt, werde ich nie wieder einen Fußballernamen falsch schreiben. Versprochen. Nicht einmal mehr den von Ulli Höhness, Hugh!
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