
Nachdem wir gestern Nacht um zwölf im Zimmer meines französischen Mitbewohners standen und zu seinem Geburtstag „Joyeuse anniversaire“ zum Besten gaben, sollte für heute Abend ein Festmahl auf dem Plan stehen.

Nachdem wir gestern Nacht um zwölf im Zimmer meines französischen Mitbewohners standen und zu seinem Geburtstag „Joyeuse anniversaire“ zum Besten gaben, sollte für heute Abend ein Festmahl auf dem Plan stehen.
Ostern feiert man jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Die ganze Familie trifft sich zu Hause, man wandert den Kreuzweg, färbt Ostereier, die man am Morgen des Ostersonntag im Garten sucht, wo der Osterhase sie wieder mal versteckt hat, spielt „Eiertitschen“, steht am Osterfeuer, geht in die Kirche und besucht Verwandten.
So war es für mich jedenfalls - über die letzten 20 Jahre hinweg. Dieses Jahr ist alles anders. Ich bin in Prag, weit weg von meiner Familie und deutschen Osterbräuchen.
Dieser Artikel hat nur bedingt etwas mit Prag zu tun, sicherlich jedoch mit dem Studium und Leben im Ausland – gar dem Leben überhaupt?
Wie bereits beschrieben, haben wir am Samstag einen Ausflug nach Theresienstadt gemacht. Während die Hinfahrt ganz planmäßig verlief, so gestaltete sich die Rückfahrt nach Prag anders als erwartet.
Wie ich in dem vorhergehenden Beitrag schon beschrieben habe, gab es im Ghetto Theresienstadt ein ausgeprägtes kulturelles Leben, in dem zahlreiche Kunstwerke entstanden. So zum Beispiel folgendes Gedicht von Leo Strauß, das die Lebenssituation im Ghetto beschreibt:
Samstagmorgen haben wir uns auf den Weg nach Theresienstadt (Terezín) gemacht, von dem mit Sicherheit jeder schon einmal etwas gehört hat und doch die Wenigsten wissen, was dort wirklich passiert ist. Ich muss sagen, dass es in meiner bisherigen Pragzeit wohl das Interessanteste und auch Bewegendste war, was wir gesehen haben…
Nach vier Wochen, die ich nun in Prag lebe und in denen ich von der Zahnbürste über die Fahrkarte bis zum Bier schon so Einiges besorgen musste, ist es vielleicht an der Zeit, mal ein paar Worte über Preise, Öffnungszeiten usw. Prager Geschäfte zu verlieren.
Eine Freundin, die zur Zeit zu Besuch in Prag ist und wie wohl alle davon ausging, dass ich mich im Land ein bisschen verständigen kann, bat mich gestern beim Einkaufen: “Charlotte, kannst du mal gerade kommen und mir helfen?” “Nein, tut mir leid, ich kann dir überhaupt nicht helfen! Du musst einfach auf die Dinge zeigen, die du haben möchtest!” Mir wurde zum ersten Mal unangenehm bewusst, dass ich der Landessprache wirklich überhaupt nicht mächtig bin…
Nach all dem, was ich bisher aus Prag berichtet habe, werden sich die aufmerksamen Leser unter euch bestimmt schon einmal gefragt haben: „Dass sie in Prag studiert, das wissen wir jetzt. Doch wie ist es mit dem Erasmus-Leben, das man aus Filmen wie „Ein Jahr in Barcelona“ kennt?“ Party hier, Party da, wir nehmen alles mit, was wir kriegen, Hauptsache dabei gewesen.
Nachdem ich nun seit drei Wochen in Prag wohne und auch damit die dritte Woche meines Auslandssemesters an der Karlsuniversität beginnt, vermag ich zu sagen, dass langsam etwas, was man wohl als „Alltag“ bezeichnet, in mein Leben hier in Prag einkehrt.