Es gongt. Wir sind spät dran. Es ist Freitag kurz vor acht. Zusammen mit Renata bahne ich mir meinen Weg durch die Korridore einer Schule in Haje. Vorbei an kleinen und großen Kindern mit riesigen Schulranzen. Renata ist meine Dolmetscherin für die nächsten zwei Stunden. Im Rahmen des Projekts Europa macht Schule halte ich heute zwei Unterrichtseinheiten bei Erstklässlern. Über die Märchen der Gebrüder Grimm. Ich bin ein wenig aufgeregt. Sehr aufgeregt.
"Steckbrief": Katharina
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Märchenstunde in Haje
Kauderwelscheranto
Kultureller Austausch - Wer hat diese Worte nicht verwendet in seinem Motivationsschreiben? Motiviert, vier, fünf, sechs oder zehn Monate in Prag zu studieren, um eine Kultur von innen heraus kennen zu lernen, kulturellen Austausch zu betreiben. Doch wie genau funktioniert das im echten Leben?
Karlovy Vary - wo sich Pelzmäntel für Wasser bücken
Karlsbad ist irgendwie anders. Irgendwie surreal. Geradezu ausgestorben wirkte die Stadt als ich mich am vergangenen Montag mit zwei Freundinnen dorthin aufmachte. Vielleicht verbringen die Schönen, nun gut, die Reichen einen verschneiten Januartag lieber bei Massagen und Duftbädern drinnen als draußen in der klirrenden Kälte. Das nehme ich ihnen nicht übel. Was hat es auf sich mit dieser Stadt, in der wohl genährte Menschen in Pelzmänteln aus kleinen Plastikbehältern rostig schmeckendes Wasser trinken?
Was ich eigentlich sagen wollte
Über Tábor wollte ich schreiben. Über meinen Ausflug in die südböhmische Stadt letzten Samstag. Über das “Oh my God!” meiner südafrikanischen Mitbewohnerin als sie auf dem Weg dorthin zum ersten Mal Schnee sah. Seinen Höhepunkt hätte das Ganze erreicht in einer - ich hätte mein Bestes gegeben - komödianten Schilderung des abstrusen Schauspiels zum Nikolausabend. Mitten auf dem Marktplatz wurde ein Kind in einen Käfig gesperrt umgeben von Engel und Teufel. Traditionen kann man nicht verstehen, man muss groß werden mit ihnen, so oder ähnlich hätte ich resümiert. Doch das alles scheint weit weg.
O Tannenbaum, wo sind deine Blätter?
Samstagabend 17.45Uhr. Ich bahne mir meinen Weg durch die Menschenmassen an der Metrostation Staroměstská. Ich hatte ja mit viel gerechnet. Mit vielen. Aber nicht mit so vielen. Es ist Volksfeststimmung. Massen strömen in Richtung Staroměstské Náměstí. Der Grund: Heute Abend wird der Weihnachtsmarkt eröffnet und der große Weihnachtsbaum zum Leuchten gebracht. Ich treffe mich vor 15 Minuten mit Freunden unter den Bäumen am Rande des Platzes.
Beifall! Mauerfall.
Als die Mauer fiel war ich gerade mal zwei Jahre alt. Es bleibt mir also verwehrt, über Erinnerungen an die bewegenden Ereignisse von damals zu schreiben. Auch wenn ich mir das manchmal - insbesondere an Tagen wie letzten Montag - wünsche. Es berührt mich jedes Mal sehr, wenn ich Fotos und Videos vom 9. November 1989 sehe. Wenn ich schon nicht auf dem Megaevent in Berlin zum 20. Jahrestag sein konnte, so wollte ich den Mauerfall wenigstens in Prag feiern. Und was böte sich da besser an als eine Party, organisiert von der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut Prag?
Wie ein blutig Eisen
Eine adrette Blondine mit Mobiltelefon lächelt mich von einem überdimensionalen Plakat konsumfreudig an. Neben ihr steht mit Schäfchenwölkchen hinterlegt der Schriftzug ”Hello everybody”. Etwas befremdlich wirkt die Kulisse des Divadlo na Vinohradech auf den ersten Blick. In wenigen Minuten wird hier “Woyzeck” aufgeführt. Das auf Tschechisch gespielte Stück mit deutschen Untertiteln bildet den Auftakt des 14. Prager Theaterfestivals Deutscher Sprache. Den ganzen Beitrag lesen »


