Der junge tschechische Pianist Ivo Kahánek erklimmt, leidlich unterstützt durch seine Plattenfirma Supraphon, langsam aber sicher eine herausgehobene Position unter der ersten Generation von Musikern, die ihre Ausbildung bereits gänzlich unter den postkommunistischen Bedingungen erhalten haben, und die sich nach dem Abschluss ihrer Studien dem Aufmerksamkeitswettbewerb der Kulturindustrie stellen müssen. Um so mehr verwundert es, dass er sich für seine Solo-CD-Einspielungen ein Repertoire auswählt, dass zum Teil aus eher unbekanntem Material besteht.
"Steckbrief": MichaelMagercord
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- Profil: Michael Magercord arbeitet als freier Journalist in Prag.
Beiträge von MichaelMagercord:
Janáček - warum nicht, Martinů - immer mal wieder, Kabelač - na endlich!
Zeit, Raum und Vogelstimmen - Messiaen im Rudolfinum
Am 10. Dezember wäre Olivier Messiaen hundert Jahre alt geworden. Während bereits beim Prager Frühling und dem Festival Audite Organum dem Orgelwerk des 1992 verstorbenen französischen Komponisten und Organisten gedacht wurde, wird nun am 27.11. und 28.11. die Tschechische Philharmonie zusammen mit den bekannten Stücken “La Valse” und “Daphne et Cloe” von Maurice Ravel zwei Orchesterwerke von Olivier Messiaen aufführen.
Eine Hommage an Bratsche und Martinů setzt Maßstäbe
Eine Hommage an ein oftmals unterschätztes Instrument waren die beiden Duos, die Bohuslav Martinů für Bratsche und Geige schrieb. Und eine Hommage an den oftmals unterschätzen Komponisten ist diese CD, auf der diese beiden viertelstündigen Kompositionen neben zwei weiteren Bratschen-Werken zu hören sind, denn 2009 ist Martinů-Jahr, dessen 50. Todestag in zahlreichen Neueinspielungen gedacht werden wird.
Verantwortung für Schall und Rausch
Wochenausblick auf das Prager Kulturleben
Das reiche Kulturangebot in Prag übersteigt jede Möglichkeit der Wahrnehmung. Für jeden etwas, heißt es ja immer beschwichtigend, wenn niemand mehr einen Überblick hat. Habe ich auch nicht, trotzdem muß man eine Auswahl zu treffen. Aber wie?
Ein wenig Orientierung verhieß letzte Woche ein Vortrag. Im Institut Français diskutieren Antoine Garapon, einstiger Chef der Liga der Menschenrechte, und Šimon Pánek, Direktor der größten tschechischen NGO Človek v tísni über den Zusammenhang von Wirtschaft und Menschenrechten und warben in Anbetracht der globalen Lage für eine verantwortungsbewußte Rolle der Konsumenten. Unwillkürlich fragte sich der gequälte Prager in Anbetracht des täglichen Anblicks des globalen Massentourismus und seinen kulturnivellierenden Auswirkungen, wie es da um die Verantwortung eines Kulturkonsumenten steht?
Wie Klavier und Violoncello dem Verpackungsbetrug trotzen
Ein tristes, allerdings auch schönes Bild der Pariser Seine auf dem Cover der neuesten Einspielung des Cello-Klavier Duos Jamník/Kahánek – wenn das man nicht schon den Tatbestand des Verpackungsbetruges erfüllt.
Denn die Musik, die wir auf diesen Aufnahmen vom April 2008 hören, spielt in Böhmen, Mähren und der Slowakei. Es sind Kompositionen von drei tschechischen Komponisten aus dem 50er Jahren, zwei späte Werke von Bohuslav Martinů, und jeweils ein Frühwerk der Ende der 20er Jahre geborenen Petr Eben und Luboš Sluka. Meisterhaft stehen alle diese Stücke für das, was die tschechische Tonkunst bis heute auszeichnet: Die Verbindung traditioneller Wurzeln mit neuesten Kompositionstechniken und der Mut zum komplexfreien Zugriff auf bestehende Schemata aus der reichen Folklore, der nicht durch einen zwanghaften Trieb zum Bruch mit allen Hörgewohnheiten seiner Mitmenschen getrübt wird.
53 Jahre Vorbereitung - 13. Festival der Orgelmusik endet mit Konzert von Naji Hakim
Der Prager Herbst ist da, und damit auch ein gleichnamiges Musikfestival. Man erkennt es an den zwei schnittigen Neuwagen, die die Stufen des Konzerthauses Rudolfinum verstellen. Von solchen Festivals, deren Inhalt und Ausschmckung einzig von den Werbeansprchen ihrer Sponsoren geleitet werden, hat Prag etliche zu bieten, was Wunder, gilt es hier doch im Gegensatz zu anderen Kunst-Metropolen der Welt immer noch als schick, kulturelles Engagement besonders protzig zu bekunden.
Genug davon, doch was tun? Ab in die Kirche! Üblicherweise wird in Prager Kirchen den Touristen ein schnelles Musikmenü a la McMusic angeboten, doch nicht so in der Barockkirche Sv. Jakub. Dort nämlich wurden im Rahmen des 13. internationalen Festivals Audite Organum im Wochenrythmus acht Orgelkonzerte mit Organisten aus Europa, den USA und Israel abgehalten.
Experimente bitte - Tschechische Philharmonie nimmt Spielbetrieb der 113. Saison auf
Der Prager Sommer ist vorbei, die Aufnahme des Spielbetriebs der großen Häuser der Stadt legt Zeugnis davon ab. Im Rudolfinum, dem größten Musiksaal Prags und Stammsitz der Tschechischen Symphonie, steht eine Saison mit etlichen Abwechselungen an. Das liegt auch daran, dass es für das bedeuteste Orchester Tschechien eine Saison ohne Chefdirigent sein wird.
Der designierte neue Chefdirigent und ausgewiesene Mahler-Experte Eliahu Inbal wird zwar im April bereits ein Programm dirigieren, seine neue Position aber erst in der folgenden Saison aufnehmen.
Prague Proms - Prags postmodernstes Musik-Festival
“Prague Proms” heisst das jüngste der großen Musikfestivals in Prag. Dessen vierte Ausgabe fand ihren diesjährigen Abschluss am Sonntag mit einem klassischen Klassikkonzert, welches durchaus auch als durchschnittliches Abonnentenkonzert der Prager Symphonie hätte durchgehen können.
Und trotzdem ist diese dreiwöchige Veranstaltung mit 18 Konzertabenden das modernste Festival, das Prag zu bieten hat. Nicht nur, dass es schon gar keinen tschechischen Namen mehr trägt - “Proms” läßt sich ebensowenig wie Public Viewing in irgendeine andere Sprache übersetzen und soll wohl soviel bedeuten, dass hier Prominentes geboten wird -, es ist vor allem die Mischung, die sich hinter diesem Namen verbirgt, die geradezu postmoderne Züge trägt.
Der Prager Frühling geht am 4. Juni zu Ende
Auf den Prager Frühling (Pražské jaro) ist einfach Verlass: Nicht nur auf die wiederkehrenden Rituale zu Eröffnung und Ende und nicht nur auf die heutzutage in den Konzertsälen auf Großfestivals üblich gewordene Ekstase nach dem Musik-Ereignis, auf die stehenden Ovationen und Begeisterungsstürme eines sich selbst beklatschenden Publikums, das scheinbar jedes Konzert, dem es beigewohnt hat, unbedingt zu einem einmaligen Event hochapplaudieren muss.
Nein, auch auf die Qualität der Darbietungen vor allem in etwas am Rande liegenden Veranstaltungen ist beim Prager Frühling Verlass.
Schechen gegen Tschotten oder was?
Schechen gegen Tschotten oder was? Nein, beim letzten Testspiel der tschechischen Fußball-Nationalmannschaft vor der Europameisterschaft war dann doch alles klar. Vier Tage zuvor beim Spiel gegen Litauen im Stadion Eden ertönte noch fälschlicher Weise die Hymne Lettlands. In Stadion auf der Letna gegen die Schotten konnte das sowieso nicht passieren, denn die singen ja bekanntlich selber.
