"Steckbrief": MichaelMagercord
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- Profil: Michael Magercord lebt und arbeitet als freier Journalist in Dünkirchen und Prag.
Beiträge von MichaelMagercord:
So ein reiches Archiv muss man erst mal haben, wie das jene der Plattenfirma Supraphon. Allerdings muss man aus der Fülle auch immer wieder das richtige herausfischen. Das ist Supraphon nun einmal mehr gelungen, denn ein kleines Juwel sind die beiden Liederzyklen, die bereits 1988 eingespielt wurden und sich nun auf einer CD-Neuerscheinung zum Auftakt des Martinů-Jahres 2009 befinden.
In diesen beiden Frühwerken huldigte der junge Komponist der Asienbegeisterung, die vor hundert Jahren unter Europas Künstlern und allen, die es werden wollten, offensichtlich grassierte. Asien, das hieß vor allem China und Japan und die Begeisterung galt deren Lyrik und Grafiken aus bereits lange zurückliegenden Jahrhunderten. Vermutlich war es die Zeitlosigkeit, die der Poesie und Malerei aus Ostasien bis heute anhaftet, die in die aufregenden Vorkriegszeiten und den zukunftserregten Seelen ein wenig Entschleunigung brachte. Die Epoche der Romantik war vorbei, dafür hatte die rasante Gründungszeit gesorgt, doch ihre Sehnsüchte nach romantischer Hingabe waren und sind damit noch lange nicht erledigt.
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geschrieben am 23. Februar 2009 in
Kultur,
Musik
Von Anbeginn seiner Existenz in dieser Welt begleitete jegliche Kritik an dem Ballettwerk „Schwanensee“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski die kritische Kritik an der Kritik, und kritische Kritiker wurden seither vom begeisterten Publikum zur Hölle gewünscht. Und so wird es auch jedem Kritiker ergehen, der sich an einer Kritik über die Neuinszenierung im National Theater zu Prag, dem Narodni Divadlo, versucht. Dieses Tanztheater ist einfach das beliebteste und meistgespielte Ballett aller Zeiten und wird es – soviel sagt dieser Kritiker nun voraus – bis in alle Ewigkeiten bleiben, denn sicher wird es auch noch im Paradies aufgeführt.
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geschrieben am 17. Februar 2009 in
Kultur,
Musik
Das vergangene Jahr markierte die 80. Wiederkehr des Todestages des Komponisten Leoš Janáčeks. Der jüngste im Bunde der drei großen frühmodernen tschechischen Tonsetzer hat sich in seinem Spätwerk bereits den moderneren Klangwelten geöffnet. Und da sich Janáček vor allem durch sein Opernschaffen auch international einen Namen gemacht, ist es also konsequent, dass zum Ausklang des vergangenen Jahres seine beiden letzten Bühnenwerke wieder auferstanden sind. Da hat zum einen nämlich das Prager Nationaltheater Narodni Divadlo des Komponisten vorletzte Oper „Die Sache Makropulos“ neuinszeniert, und zum anderen brachte die Plattenfirma Supraphon die letzte Oper „Aus dem Totenhaus“ in einer legendären Inszenierung aus dem Jahre 1964 nun als CD auf den Markt.
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geschrieben am 30. Januar 2009 in
Kultur,
Musik
Dank gilt dem Dalai Lama, dass er sich um das Wohlbefinden der tschechischen Wirtschaft sorgt. Doch Gottlob konnte man ihm aus vermutlich ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen versichern, dass die Tschechische Republik in diesen anderswo turbulenten Zeiten eine Insel der Glückseligen ist. Wir wissen natürlich nicht, woher der weise Mönch seine Informationen hatte. Darüber können wir nur Vermutungen anstellen, doch saß da nicht letzten Sonntag bei der öffentlich abgehaltenen Vorlesung des Dalai Lamas zu dem Thema „Wie erlange ich eine friederfüllte Seele“ in der ersten Reihe auch unser Bürgermeister und Tunnelbauer? Und trug er nicht schon den weißen tibetischen Schal, den der Dalai Lama als Dank allen seinen Gastgebern umhängt?
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geschrieben am 4. Dezember 2008 in
Politik und Zeitgeschichte,
Wirtschaft
Der junge tschechische Pianist Ivo Kahánek erklimmt, leidlich unterstützt durch seine Plattenfirma Supraphon, langsam aber sicher eine herausgehobene Position unter der ersten Generation von Musikern, die ihre Ausbildung bereits gänzlich unter den postkommunistischen Bedingungen erhalten haben, und die sich nach dem Abschluss ihrer Studien dem Aufmerksamkeitswettbewerb der Kulturindustrie stellen müssen. Um so mehr verwundert es, dass er sich für seine Solo-CD-Einspielungen ein Repertoire auswählt, dass zum Teil aus eher unbekanntem Material besteht.
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geschrieben am 30. November 2008 in
Kultur,
Musik
Am 10. Dezember wäre Olivier Messiaen hundert Jahre alt geworden. Während bereits beim Prager Frühling und dem Festival Audite Organum dem Orgelwerk des 1992 verstorbenen französischen Komponisten und Organisten gedacht wurde, wird nun am 27.11. und 28.11. die Tschechische Philharmonie zusammen mit den bekannten Stücken “La Valse” und “Daphne et Cloe” von Maurice Ravel zwei Orchesterwerke von Olivier Messiaen aufführen.
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geschrieben am 26. November 2008 in
Kultur,
Musik
Eine Hommage an ein oftmals unterschätztes Instrument waren die beiden Duos, die Bohuslav Martinů für Bratsche und Geige schrieb. Und eine Hommage an den oftmals unterschätzen Komponisten ist diese CD, auf der diese beiden viertelstündigen Kompositionen neben zwei weiteren Bratschen-Werken zu hören sind, denn 2009 ist Martinů-Jahr, dessen 50. Todestag in zahlreichen Neueinspielungen gedacht werden wird.
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geschrieben am 25. November 2008 in
Kultur,
Musik
Wochenausblick auf das Prager Kulturleben
Das reiche Kulturangebot in Prag übersteigt jede Möglichkeit der Wahrnehmung. Für jeden etwas, heißt es ja immer beschwichtigend, wenn niemand mehr einen Überblick hat. Habe ich auch nicht, trotzdem muß man eine Auswahl zu treffen. Aber wie?
Ein wenig Orientierung verhieß letzte Woche ein Vortrag. Im Institut Français diskutieren Antoine Garapon, einstiger Chef der Liga der Menschenrechte, und Šimon Pánek, Direktor der größten tschechischen NGO Človek v tísni über den Zusammenhang von Wirtschaft und Menschenrechten und warben in Anbetracht der globalen Lage für eine verantwortungsbewußte Rolle der Konsumenten. Unwillkürlich fragte sich der gequälte Prager in Anbetracht des täglichen Anblicks des globalen Massentourismus und seinen kulturnivellierenden Auswirkungen, wie es da um die Verantwortung eines Kulturkonsumenten steht?
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geschrieben am 11. November 2008 in
Kultur,
Musik
Ein tristes, allerdings auch schönes Bild der Pariser Seine auf dem Cover der neuesten Einspielung des Cello-Klavier Duos Jamník/Kahánek – wenn das man nicht schon den Tatbestand des Verpackungsbetruges erfüllt.
Denn die Musik, die wir auf diesen Aufnahmen vom April 2008 hören, spielt in Böhmen, Mähren und der Slowakei. Es sind Kompositionen von drei tschechischen Komponisten aus dem 50er Jahren, zwei späte Werke von Bohuslav Martinů, und jeweils ein Frühwerk der Ende der 20er Jahre geborenen Petr Eben und Luboš Sluka. Meisterhaft stehen alle diese Stücke für das, was die tschechische Tonkunst bis heute auszeichnet: Die Verbindung traditioneller Wurzeln mit neuesten Kompositionstechniken und der Mut zum komplexfreien Zugriff auf bestehende Schemata aus der reichen Folklore, der nicht durch einen zwanghaften Trieb zum Bruch mit allen Hörgewohnheiten seiner Mitmenschen getrübt wird.
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geschrieben am 7. Oktober 2008 in
Kultur,
Musik
Der Prager Herbst ist da, und damit auch ein gleichnamiges Musikfestival. Man erkennt es an den zwei schnittigen Neuwagen, die die Stufen des Konzerthauses Rudolfinum verstellen. Von solchen Festivals, deren Inhalt und Ausschmckung einzig von den Werbeansprchen ihrer Sponsoren geleitet werden, hat Prag etliche zu bieten, was Wunder, gilt es hier doch im Gegensatz zu anderen Kunst-Metropolen der Welt immer noch als schick, kulturelles Engagement besonders protzig zu bekunden.
Genug davon, doch was tun? Ab in die Kirche! Üblicherweise wird in Prager Kirchen den Touristen ein schnelles Musikmenü a la McMusic angeboten, doch nicht so in der Barockkirche Sv. Jakub. Dort nämlich wurden im Rahmen des 13. internationalen Festivals Audite Organum im Wochenrythmus acht Orgelkonzerte mit Organisten aus Europa, den USA und Israel abgehalten.
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geschrieben am 29. September 2008 in
Kultur,
Musik