Tom Waits in Prag - verpasst und gesehen

Tom Waits In PragWell, Frank hung his wild years on a nail, that he drove through his wife’s forhead. Die makabre Captatio, beiläufig über beliebiges Jazz-Geplätscher geplaudert, war das erste, was ich von Tom Waits bewusst hörte. Der Anfang der “Platte” war im Gespräch am Küchentisch unserer WG untergegangen.

Aber die schräge Gitarre, die melancholischen Bläsersätze und der Säuferbariton mit dem bizarren Falsett hatten mich neugierig gemacht. Wer ist denn das? Tom Waits nicht zu kennen, war damals, im Winter 1985/86, keine Schande.

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Der Prager Frühling geht am 4. Juni zu Ende

Auf den Prager Frühling (Pražské jaro) ist einfach Verlass: Nicht nur auf die wiederkehrenden Rituale zu Eröffnung und Ende und nicht nur auf die heutzutage in den Konzertsälen auf Großfestivals üblich gewordene Ekstase nach dem Musik-Ereignis, auf die stehenden Ovationen und Begeisterungsstürme eines sich selbst beklatschenden Publikums, das scheinbar jedes Konzert, dem es beigewohnt hat, unbedingt zu einem einmaligen Event hochapplaudieren muss.

Nein, auch auf die Qualität der Darbietungen vor allem in etwas am Rande liegenden Veranstaltungen ist beim Prager Frühling Verlass.

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Die Prager Jazz-Szene: Über Präsidenten und Touristen, Teil 2

Endlich, nach fast vier Monaten in Prag, bin auch ich mal im „Reduta“ gewesen. Diese Bar ist nicht nur Prags ältester Jazz-Keller. Es ist vor allem durch den Besuch 1994 der damaligen Präsidenten Václav Havel und Bill Clinton berühmt geworden.

Etwas Präsidenten-Flair stieg in mir auf, als ich zunächst ahnungslos auf demselben Platz saß wie einst Clinton. Eine silberne Plakette, die im grünen Sofa-Stoff eingearbeitet war, machte mich dezent auf diese Ehre aufmerksam.

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Die Prager Jazz-Szene: Über Präsidenten und Touristen, Teil 1

Die Prager Jazz-Szene ist Kult. Verrauchte Keller-Bars, abgewetzte Sofa-Ecken und verquere Saxophon-Improvisationen. Hier trifft sich der Untergrund; die Lebenskünstler, Denker und Exoten kennen noch die gute Art zu leben, „savoir-vivre“ eben. Ein wenig hatte ich dieses (überholte?) Klischee vor Augen, als ich mich in die Prager Jazz-Keller vorwagte.

Zum Pflichtprogramm jedes Prag-Besuchs scheint wohl ein Besuch im legendären Jazz-Club „Reduta“ zu gehören. Aber auch das „Agharta“ wollte ich sehen und die „Ungelt“-Bar lockte mich mit freiem Eintritt…

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Verdis Falstaff vom Nationaltheater neu inszeniert

Eigentlich ist in Prag ja die Staatsoper das Terrain Verdis, dort nämlich, wo der Gefangenenchor mindestens zweimal im Monat erklingt, und wo Arien aus Aida oder Rigoletto umgehend beklatscht werden. Doch nun findet ausgerechnet im Nationaltheater, wo man nur applaudiert, wenn der Vorhang fällt, Verdis einzige komische Oper „Falstaff“ ihre erste Prager Neuinszenierung seit etlichen Jahren - und die wird tatsächlich zu einem komischen Abend.

Es hieß, der 80jährige Giuseppe Verdi hätte während der Komposition des Falstaff 1893 bereits geahnt, dass es seine letzte Oper werden würde.

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Über tschechische Gottesdienste und wie es einem als Dieb ergehen kann

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Ich bin zwar weder besonders religiös, noch gehe ich regelmäßig in die Kirche, doch mag ich manchmal die Atmosphäre, die in Kirchen herrscht - vor allem während eines Gottesdienstes. Ich mag es, wenn man von einer belebten und lauten Straße in eine Kirche eintritt und sofort von Stille, Andacht und diffusem Licht umgeben ist. So habe ich mich heute Morgen auf den Weg zur Kirche St. Jakob (nahe dem Altstädter Ring) gemacht, um die Sonntagsmesse zu besuchen.

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Ska auf tschechisch - oder: Tanzen, Tanzen, Tanzen

Dieser Abend versprach großartig zu werden – und die Erwartungen haben sich erfüllt: Ein Abend voller Musik, „good vibrations“, günstigem Bier, netter Location und mitten in einer Menge ausgelassen Tanzender. Drei Ska-Bands spielten am Freitagabend im XT3-Club in Prag - für nur 60 Kronen konnte man selbst dabei sein.

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Große Gefühle für kleines Geld

Romeo und JuliaDie größte Liebesgeschichte aller Zeiten? Natürlich spreche ich hier von Romeo und Julia (obwohl Susi und Strolch ganz dicht auf Platz zwei folgen könnten). Die Romanze von William Shakespeare kann im Prager Nationaltheater bewundert werden – und zwar ganz ohne Worte. Romeo und Julia als wunderbares, verzauberndes Ballett: Da fehlen einem wirklich fast die Worte.

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Ost-westliche Klangavantgarde bei Pražské premiéry in Prag

Am Sonntag fand die vierte Ausgabe des Festivals Pražské premiéry (Prager Premieren) mit der Aufführung des monomentalen Chorwerkes “Gotteskinder” des 30-jährigen tschechischen Komponisten Jiří Kadeřábek einen dramatischen Abschluss.

Die Philharmonie Zlín und der Chor der slowakischen Philharmonie boten unter der souveränen Leitung von Jakob Hruša noch einmal alles auf, was die zeitgenössische Musik heute zu bieten hat: Computerklänge, Ratschen vom Zerreißen von Zeitungen, aber auch hochmelodische Streicher- und Gesangspassagen aus folkloristischen Musikzitaten.
Damit war es vollbracht: Über eine Woche lang wurden in Prags schönstem Konzertgebäude, dem Rudolfinum, neueste und allerneueste Kompositionen der ernsten Musik zum guten Teil uraufgeführt, Musik also, die unter dem Label Neue Musik mittlerweile schon einen etablierten Platz im Kanon der ernsten Musik gefunden hat.

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Drei Stunden wie Minuten

Vermutlich findet keiner, der es kennt, das Prager Kongress Zentrum beim Vyšehrad ansprechend. Ist es auch nicht, weder von außen noch von innen. Aber wenn der Richtige kommt, um den großen Saal zu füllen und zum Tanzen zu bringen, ist es völlig egal, wie der Raum aussieht, wie sich draußen das Wetter benimmt oder wer gerade Präsident in Amerika ist. Und Goran Bregović war der Richtige, um sein Publikum fast drei Stunden lang die Zeit, das Atmen und das Nachdenken vergessen zu lassen. Spaß gemacht hat es, unbeschreiblich viel Spaß und auch zwei Tage später noch fällt es mir schwer, all die verschiedenen Gefühle, die mich während des Konzertes überkommen haben, in Worte zu fassen.
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