Leopardenschuhe, ein wütender Hausmeister und ich mittendrin

101_2907kkk_540x405.jpgMittwoch wache ich dann erst mal mit einem etwas dicken Kopf auf. Offensichtlich war eines der Biere gestern schlecht! Doch für Wehwehchen habe ich nun keine Zeit. Zeit ist in Prag für mich im Moment Mangelware, daher gilt es, jede Minute auszukosten und deshalb bin ich nun mit meinem alten Tandempartner zum Frühstück verabredet. Natürlich wieder mal an anderen Ende der Stadt. Aber so komme ich wenigsten mal wieder nach hause ins Anděl. Nach einem erneuten kurzen Plausch mit der Schlüsseldame, die ich leider immer nur für fünf Minuten pro Tage sehe, nämlich, wenn sie kommt und ich gehe, oder umgekehrt, und dem nicht sehr erfolgreichen Versuch, meine Augenringe zu überschminken, laufe ich auch schon wieder aus dem Haus. (mehr…)

Fotoschnecke, Schmetterling I und der 7. Himmel

Der nächste Morgen, mein erster wieder in Prag. Ich wache auf, richte den Blick gen Fenster und sehe strahlend blauen Himmel. Und da ist es wieder, dasselbe Gefühl, dass ich damals im Sommer 2008 hatte, als ich das erste Mal in Prag aufgewacht bin. Gutgelaunt stehe ich auf, ignoriere, dass die Katze gerade meinen Koffer zerkratzt, nachdem ich ihn nach dem Malheur gestern nun immer geschlossen habe, was sie wohl doof findet.

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Von Katzenhaaren in der deutschen Botschaft

101_2513_540x4051.jpgIch sitze im Bus, sehe aus dem Fenster. An mir vorbei ziehen unendliche Weinreben, Wälder. Ich bin auf der Fahrt gen Osten, gen Heimat. Ich habe es im tristen München nicht mehr ausgehalten und mache mich auf in meine Wahlheimat, zurück nach Prag. Diesmal muss ich Bus fahren, weil niemand nach Prag will und mich mitnehmen. Während der fünfstündigen Fahrt döse ich vor mich hin, träume von Prag und was ich diesmal alles machen werde. Die Fotoschnecke wird auch da sein und nach über einem halben Jahr sehen wir uns endlich wieder. Erinnerungen an die guten alten Zeiten kommen hoch. Als wir auf der Matĕjská pout’ waren und mit diesem Höllenkarussell gefahren sind und ich beinahe vor Angst gestorben wäre. Oder unser Ausflug nach Kutná Hora, oder nach Brno zur Superbike Competition. Ich schließe die Augen und lasse mein Jahr in Prag noch mal an mir vorbeiziehen. Ich geh aus der Wohnung, laufe Richtung Tram. Noch schnell in meinem Lieblings-24-Stunden-Laden die obligatorische Packung bíly petry gekauft und  in die Tram gesprungen. Nummer 9 oder 6 zur Národní Třída und damit ins Vagon. Oder die 12 oder 20 zur Malostranská und dann zu Fuß über die Brücke zur Philfak in den Tschechischkurs. Oder aber ein kleiner Spaziergang von der Ječna nach Hause, wenn abends die Veranstaltung im Literaturhaus aus ist und ich alle Praktikumspflichten brav erfüllt hab.Und nun darf ich wieder zurück in mein soukrmý ráj, in mein persönliches PARADIES. Leider nur  für eine Woche. Dann muss ich wieder nach München und Hausarbeit schreiben. Bäähh. Aber bevor es soweit ist, liegt eine herrliche Woche vor mir. Und ich habe einiges vor. Nicht nur meine Fotoschnecke endlich wiedersehen und diesmal nicht alleine auf den Spuren vergangener Tage wandern. Nein, darüber hinaus bin ich auch wegen eines Konzerts in der Stadt. Black Label Society sind hier und ich eigentlich wegen ihnen. Und dann, dann kribbelt es mir in den Fingern nach ein bisschen Schmerz, genauer gesagt ein bisschen Schmerz in Form eines Schmetterlings. Doch das werden wir alles sehen. Nun kommt der Bus erst mal in Florenc an und ich muss mich beeilen. Pani Schüchtern und Zurückhalten ist ja momentan in München und genießt ihr Erasmusleben dort, sodass die Wohnung von einer ihrer Freundin bewohnt wird. Und diese junge adrette Dame wird mir neben Čič die nächsten Tage Gesellschaft leisten. Doch jetzt muss sie gleich an die Uni und ich somit schnell nach Strašnice und die Schlüsselübergabe machen, damit die Schlüsseldame nicht zu spät kommt. (mehr…)

Zeit für Tee

Wie schon an anderer Stelle in diesem Blog erwähnt – gesund ist das Leben als Austausch-Studentin in Prag nicht. Der in meiner bayerischen Wahlheimat paternalistisch ausgeartete Nichtraucherschutz hat die tschechische Hauptstadt noch nicht erreicht, das Bier ist immer noch billig und mein Stundenplan lässt zugegebenermaßen genug Zeit um sich mehrmals die Woche diesen widrigen Bedingungen auszusetzen. Nach einem Semester hier bin ich ein bisschen erschöpft. Zum Glück sind die Tschechen ein findiges Volk und haben eine konzeptuelle Alternative zu Bier, Rauch und Kellermief (die guten Bars befinden sich in Prag alle im Souterrain!) entwickelt – die Čajovna. Im Folgenden zwei Tipps, beide in Prag 7, vom Zentrum aus aber in weniger als 20 Minuten zu erreichen.

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Wohnt Dracula in Prag?

Ein kleines Experiment, bzw. eine Mutprobe:

Man fährt mit der Tram von Osten kommend Richtung Sparta. Für wenige Sekunden bietet sich auf der rechten Seite ein unerwarteter Anblick. Wie aus dem Nichts taucht auf einmal ein seltsamer und etwas verloren wirkender Turm vor einem auf:

Noch bevor man allerdings einen zweiten Blick werfen kann, verschwindet die Erscheinung auch schon wieder hinter einem wenig charmanten Plattenbau. Zurück bleibt ein wenig Verwunderung und Rätselraten was und vor allem wer sich in diesem Turm aufhält. Denn bewohnbar wirkt er von außen durchaus.
Nun wartet man, bis es dunkel geworden ist, um dann zu diesem Ort zurückzukehren. Nach kurzem Fußweg steht man vor dem Gelände des Turmes, der nun, in der Dunkelheit, noch viel seltsamer und geheimnisvoller dasteht. Durch ein verrostetes und quietschendes Tor gelangt man zu einer kleinen Tür die ins Innere zu führen scheint. Man fasst sich ein Herz, drückt die Klinke und - die Tür geht auf. Drinnen erwarten einen fahles Licht und eine Treppe mit riesigem Geländer, die weit nach oben führt. Langsam tastet man sich vor ins Ungewisse, kommt immer wieder vorbei an Türen, die aber allesamt verschlossen sind. Schließlich gelangt am Ende der Treppe an. Zur Rechten: Eine schmale Wendeltreppe, zu der der Zugang allerdings durch ein Eisengitter verwehrt bleibt. Zur Linken: Eine weitere Tür. Verschlossen ohne Zweifel auch diese. Jedoch - sind dahinter nicht Geräusche zu hören? Und strömt da nicht ein süßlicher Geruch durch die Ritzen? Man atmet tief durch, drückt die Klinke. Und dann —

Und dann? Wo findet man sich wieder?

a) In einer unglaublich gemütlichen, furchtbar verwinkelten und ganz reizenden Teestube, wo man sich tagelang durch eine Karte mit den köstlichsten Tees probieren könnte und wo es laut eben jener Karte auch Sushi geben soll, nur “heute leider nicht”? Wo man im Winter von 16 und im Sommer von 17 bis 22 Uhr gemütliche Nachmittage und Abende verbringen kann? oder

b)  in Graf Draculas Kammer des Schreckens, die man nicht mehr als Mensch verlassen wird, sondern als bloggender Vampir?

Wer es herausfinden möchte, fährt mit der Tram bis Sparta läuft 50 Meter nach Osten und biegt links in die Korunovační ein. Jedoch auf eigne Gefahr!

Praha a zpět - Heimaturlaub Teil II

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Durch lautes Gemaunze und ein paar Krallen geweckt, begann dann mein nächster Tag.

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Praha a zpět - Heimaturlaub Teil I

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Zurück in Prag. Nach schier unendlich langen drei Monaten  in der Verbannung nutze ich die Weihnachtsferien um aus der Hölle, auch bekannt als München, zu fliehen und mich, wenn auch nur für wenige Tage, wieder ins Paradies, nach Prag, zu schleichen. Anfangs war ja geplant, dass ich dort nur Zwischenstation machen würde, und ja ich weiß, es tut mir in der Seele weh, Prag als Zwischenstation zu bezeichnen, doch so sah der Plan aus. Dieser sollte mich dann weiter gen Osten nach Minsk befördern, wo ich eigentlich Silvester feiern wollte. Doch dank der Unfähigkeit deutscher Behörden, hatte ich volle sechs Tage in der Goldenen Stadt. Viel zu wenig, um all das zu machen, was ich mir vorgenommen hatte, und doch genug, um wieder high zu werden von Prag.

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Hotová Jídla - Fast Food auf tschechisch

Nach zwei bis drei Wochen hat man genug. Es ist zu eintönig, zu fad und viel zu wenig. Man bekommt sein Mittagessen zwar für unschlagbar günstige 30 bis 40 Kc, aber es ist einfach nie genug. Man muss sich Alternativen suchen. Kochen zum Beispiel! Allerdings hat man da schon am ersten Tag festgestellt, dass Kochen in Hostivar mitunter zur Kunst mutieren kann. Was bleibt? Ja, natürlich. McDonald’s ist zwei Tramminuten entfernt, genauso wie eine Kette die chinesisches Essen anbietet und natürlich der etwas teurere Italiener „Da Vinci“ (alle im Interspar). Doch ist es wirklich gut, sich Tag ein Tag aus mit Cheeseburgern, gebratener Hähnchenbrust mit Nudeln oder Pizza „Volcano“ vollzustopfen? Und das womöglich zweimal am Tag?

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Kultur statt Kneipe (Teil 1)

Das deutschsprachige Theaterfestival in Prag

Dass es auch in meinem zweiten Blogeintrag um kulturelle Aktivitäten geht, soll über die Realität nicht hinweg täuschen: Dem Klischee gemäß beschränkte sich mein Entdeckergeist in den ersten zwei Monaten meines Auslandssemesters größtenteils auf Bars, Club und tschechische Biersorten. Irgendwann muss mit dem Verschieben des Kulturprogramms aber Schluss sein, später ist jetzt, dachten sich meine Mitbewohnerin und ich, und besorgten uns Anfang November Karten für das deutschsprachige Theaterfestival in Prag. (mehr…)

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