"Steckbrief": Martin Becker
- Website: http://www.martinbecker.com
- Profil: Martin Becker wurde 1982 in Attendorn geboren. Er studierte am Leipziger Literaturinstitut und verfasste Hörspiele, Features und Kommentare für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, u.a. WDR, MDR und SWR sowie Buchrezensionen u.a. für das Wiener Stadtmagazin "Falter" und DeutschlandRadio Kultur. Längere Radioporträts über den Theatermacher Robert Lepage und den amerikanischen Komponisten Philip Glass folgten. 2007 erschien sein Erzählband "Ein schönes Leben" im Luchterhand Literaturverlag. 2008 entstand gemeinsam mit Jaroslav Rudis ein Libretto zur deutsch-tschechischen Oper EXIT 89 (UA: "Divadlo Archa", Prag). Zurzeit lebt und schreibt Martin Becker in Leipzig.
Auszeichnungen: 2002 Bundespreisträger beim "Treffen Junger Autoren" der "Berliner Festspiele". 2005 Stipendiat der "Autorenwerkstatt Prosa" im "Literarischen Colloquium Berlin". 2007 eingeladen zum "Ingeborg-Bachmann-Preis" nach Klagenfurt. Ebenfalls 2007 GWK-Förderpreis Literatur. 2008 Literaturstipendium der "Märkischen Kulturkonferenz" und "Kunstpreis Literatur" Berlin-Brandenburg. 2010 Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Erster Preis beim "Wurfsendungs"-Hörspielwettbewerb von DeutschlandRadio Kultur (gemeinsam mit Tabea Soergel). Einladung zum "Festival Neue Literatur" nach New York City.
Beiträge von Martin Becker:
Man sollte das alles in der Nacht erleben.
Diese Nacht muss so beschaffen sein: Entweder, der Regen ist so stark, dass das Leuchten der Straßenlaternen die glänzenden Schienen und den glitzernden Asphalt in ein haltlos sehnsüchtiges Licht taucht, für das man keine Worte mehr hat. Oder, es muss komplett wolkenlos sein, ein Himmel, an dem man die Sterne sehen könnte, wäre man nicht mitten in der sternlosen Stadt, für deren Horizont man keine Worte mehr hat.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 21. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Ich mag Dich nicht mehr.
Eigentlich habe keine Ahnung, ob ich Dich jemals gemocht habe. Guck mich nicht so an, steht auf und geh, wenn Du das nicht hören willst. Du hast es geschafft, mir das Mögen auszutreiben. Ja, ich bin wütend. Das wolltest Du doch genau so. Also guck mich jetzt nicht so an.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 19. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Dann bin ich erschöpft und muss das Buch zuklappen. Ja, die rührendsten und traurigsten Sachen machen schnell müde. So geht es mir an diesem Abend mit Ota Pavel (eigentlich Ota Popper), den ich jahrelang versucht habe zu lesen, und dessen Größe ich erst jetzt, hier in meinem winzigen Zimmer im „Hotel Roztoky“, wirklich gegenüberstehe. Für ihn bin ich hier. Aber jetzt bin ich kaputt.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 17. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Mein Vater hat unser Haus an der Bahnstrecke gebaut.
Das ist gelogen, aber es klingt so schön.
Gerade hält mein Zug in Nižbor. Direkt an den Häusern, dahinter: die Landschaft, die Berge, der Fluss. Wir kommen direkt vor einem kleinen Garten zum Stehen. Es ist Freitag, ein regnerischer Abend.
Mein Zug wartet darauf, sich weiter durch die böhmische Landschaft zu bewegen, die nach einem Gewitter aussieht, das aber auf sich warten lassen wird, das es bei einem Wetterleuchten in der folgenden Nacht bewenden lässt. Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 16. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Am Karlovo náměstí stand eine kleine, gebeugte Frau. Ich habe sie schon öfters gesehen. Sie hatte einen Eimer vor sich und verkaufte Blumen. Jede Blume war einzeln in ein Stück Zeitungspapier eingewickelt und zugeklebt, all das muss eine ungeheure Arbeit sein, die in keinem Verhältnis zum Ertrag steht. Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 16. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Hören Sie auf zu lachen.
Es ist mir eine sehr ernste Sache, liebe Blogbesucherin, lieber Blogbesucher, hören Sie auf zu lachen.
Ich bin mittlerweile so weit, dass ich mich mit dem Zustand der tschechischen Gefängnisse und der Lage der Gesetze beschäftige: Was ist wohl die Höchststrafe, wenn man im Affekt einige Marionetten und eventuell eine deutsche Reisegruppe knebelt, fesselt und für unbestimmte Zeit in eine Prager Touri-Kneipe sperrt? Sagen wir, bei Wasser und Käse? Nein, nur bei Wasser? Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 16. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Natürlich ist es noch viel zu früh für eine Zwischenbilanz. Dennoch ist mir beim Blättern in meinen Notizen (ich mache mir hierzu nie Notizen) aufgefallen, dass ich schon eine ganze Menge an Schulden angehäuft habe.
Ich rede nicht vom Geld (ewige Katastrophen sind irgendwann keine mehr), ich rede von dem, was ich versprochen habe.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 12. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Heute ist Montag.
Das stimmt zwar nicht, aber was zählt das schon nach einem Wochenende, das mir unwirklich vorkommt. So unwirklich wie die frühesten Erinnerungen an die eigene Kindheit. Es ist also gar nicht möglich, von diesem Wochenende in geordneter Form zu berichten.
Versuchen wir es anders.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 12. August 2010 in
Allgemeines,
Autoren-Blogs
Das Wesen des Tagebuchs ist: Es hat ein offenes Ohr. Und es hat Geduld, aber nur 24 Stunden lang. Dann ist es alt, hinfällig, nicht mehr aktuell. Es ist das schlechte Gewissen des Jetzt, welches nach Stunden und Sternschnuppen schon zu einem altbackenen Gestern verkommt und – getrieben durch die Mühle der Erinnerungen – schon nicht mehr wahr ist, erfunden ist, verändert ist.
Nun schreibe ich das, weil was Erwartbares geschehen ist. Es ist etwas passiert, was hier in Praha immer wieder passieren kann und passieren wird: Leben war wichtiger. Zumindest die letzten Tage.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 12. August 2010 in
Autoren-Blogs
Von einer Sache muss ich noch erzaehlen, sie gehoert nicht zu den Metrogedanken, aber doch ist sie wichtig, weil sie mir seit gestern keine Ruhe mehr laesst.
Am Karlovo náměstí sah ich gestern eine Gruppe junger Maenner und Frauen dunklerer Hautfarbe. Vor sich: Eine Gruppe junger Polizisten. Die Maenner und Frauen standen gebeugt da, dazu hatten sie auch guten Grund: Einige von ihnen waren in Handschellen, und vor ihnen hatten die Prager Polizisten alle Dinge ausgebreitet, die sie in ihren Taschen hatten finden koennen. Razzia eben.
Den ganzen Beitrag lesen »
geschrieben am 6. August 2010 in
Allgemeines