Für Katrin muss ich noch drei Nüsse von einem Berg aufsammeln. Auf drei Bergen, nämlich dem Laurenziberg, im Letná-Park und auf der Anhöhe hinterm Hauptbahnhof habe ich gesucht, beziehungsweise habe ich gewartet, dass mir ein Prinz die Nüsse so aus einem Vogelnest schießt, wie es viele Male im Fernsehen schon geklappt hat. Aber kein Prinz war da, ich hatte die falschen Klamotten an, womöglich bin ich gar nicht Aschenbrödel oder ich muss einen Knecht losschicken. Nächstes Mal.
"Steckbrief": Susanne Berkenheger
- Website: http://www.berkenheger.de
- Profil: Susanne Berkenheger, aufgewachsen ab 1963 in Stuttgart. Danach Literaturstudentin, Autorin, Journalistin, Satirikerin, Chattheaterspielerin, digitale Territoriumspflegerin und Accountleichensympathisantin. Über Nürnberg, Rom und München nach Berlin gekommen. Ihre Hyperfictions Zeit für die Bombe (1997), Hilfe! (1999), Die Schwimmmeisterin (2002) und der englische relaunch The Bubble Bath (2005) wurden mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Sie waren in New York, Hongkong, Tokio, Rio, São Paolo, Amsterdam, Cluj, München, Kassel und zu hause zu sehen. Hilfe! gibt es auch als CD-rom zu kaufen (www.cyberfiction.ch). Zeit für die Bombe seit 2007 auch auf Papier (Designerin: Agnes Wartner). 2007 gründete sie die accountleichenbewegung.de (2007), die mit dem CYNETart prize 2008 ausgezeichnet wurde und 2009 mit dem Projekt Die letzten Tage von Second Life die Bremer Netzresidenz gewann.
Beiträge von Susanne Berkenheger:
Warum ich wiederkommen muss
Hilfskonstruktion meiner Wahl
Andreas schreibt: Make stojí 1,80 m vysoký sne(hulák v parku na Sokolovské, ve výšce kopírování Centrum Pro-může (Sokolovská 890/125). Pokud ji z nedostatku sne(hu, mrkev, zelí kusů, kartác(, šátek a umístit jej v tomto por(adí, ve válce v pome(ru k pomocné konstrukce dle Vašeho výbe(ru. Ujiste(te se, že otevr(ení lahve be(hem výstavby sme(rem nahoru, a nezapomen(te na dokument vaší práce. Po práci, můžete povolit velkou sklenici Budweiser v Restaurace Merkur (Heydukova 374/2). Prosím!
Google übersetzt: Machen Sie steht 1,80 Meter groß Schneemann im Park auf der Sokolovska strasse, ca. in der Höhe vom Copy Center „PRO” (Sokolovska 890/125). Wenn es wegen Mangel an Schnee, Möhren, Kohlköpfe, Pinsel, Schal und legte ihn in dieser Reihenfolge, im Krieg in Bezug zur Hilfskonstruktion Ihrer Wahl. Stellen Sie sicher, dass das Öffnen von der Flasche während der Bauphase Richtung nach Oben geht, und vergessen Sie nicht, Ihre Arbeit dabei zu dokumentieren. Nach der Arbeit können Sie sich ein großes Glas Budweiser im Restaurant Merkur (Heydukova 374 / 2) gönnen lassen. Bitte!
Globalisierter Tourist
Ein Mitglied meiner Familie schreibt: Gerne kannst du mir eine schöne tschechische Mütze besorgen - der Winter naht (erstatte ich natürlich).
Tschechische Mütze, also. Muss ich aufpassen, dass die nicht gleich untergeht im schon recht dichten Gespinst aus tschechischen Glühbirnen, tschechischen Hilfskräften, tschechischen Kabeltrommeln, tschechischen Rasenmähern und so weiter, die alle in meinem Posteingang auf Erlösung warten. Die Nachfrage nach Tschechischem ist stattlich. Ich finde das normal. Auch ich will so viel Tschechisches wie möglich hier an mich raffen. Tschechisches, welches ich nach Berlin zurückgekehrt stolz vorzeigen und verschenken kann. Tschechisches, bei dessem Anblick die Leute erstaunte Rufe ausstoßen: “So was hab’ ich ja noch nie in meinem ganzen Leben gesehen. Das ist echt tschechisch, oder?”
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Nunca nos podrán separar
Klaus schreibt: bitte studiere sehr genau das historische video von inxs, “never tear us apart”:
gehe dann zur karlsbrücke und werfe dich auf exakt dieselbe herausfordernde weise ans brückengeländer wie die frau ab 1:26. dann begib dich zum jüdischen friedhof, positioniere dich dort an derselben stelle wie der saxofonist ab 2:40, und spiele dort ein luftsaxofonsolo.
So. Alles erledigt, lieber Klaus, an einem exakt so tiefgrauen Tag wie im Video. Es war fantastisch. Ich sah haargenau aus wie die Frau auf dem Still.
Hier kommen nur noch ein paar kleine Tipps für alle, die das jetzt oder in Zukunft auch nachspielen wollen. Den ganzen Beitrag lesen »
Vor dem My
Wie ich für eine authentische Türparabel mein Leben riskiere
Der Satiriker Sonneborn hat mir einen Mittagessen-Tipp aus den frühen Neunzigern gemailt, inklusive eines dazu passenden Auszugs aus seinem frischen Buch “Heimatkunde”:
“Plastikgeschirr kannte ich nur aus den Zeltlagern meiner frühen Jugend. Im Osten dagegen hatte ich immer von Blechgeschirr gegessen. Ich erinnerte mich an das unfassbare Leichtgewicht des Bestecks im Warenhaus Maj, mitten in Prag. Zu Studienzeiten hatte ich einen Sommer in der tschechoslowakischen Hauptstadt verbracht, und nachdem der Statistiker Krähe und ich dort die Kaufhaus-Kantine entdeckt hatten, gingen wir kaum noch irgendwo anders hin.
Das aus den 70er Jahren stammende Gebäude war von unten bis oben mit lustigen Dingen gefüllt, zudem gab es in der Angestellten-Kantine gute tschechische Küche für Pfennigbeträge, bestes Bier und einen Ausblick auf ein paar der schönsten Jugendstil-Etagen der Stadt. Bedient wurde man dort von wortkargen massiven Angestellten, die aus gutem Grund nicht in Etagen mit Publikumsverkehr eingesetzt wurden, und bei denen man trotz zum Teil beeindruckenden Bartwuchses nie genau wusste, ob es sich um Männer oder Frauen handelte.”

Ich könne noch herausfinden, so schreibt der Kollege Sonneborn weiter, ob die kleinen quadratischen Angestellten [also die von vor 20 Jahren, A.d.ferngesteuerten Stipendiatin] männlich oder weiblich sind.
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Betrügerischer Potlatch
Ein namenloser Betrüger schreibt: Prag gilt ja in der Presse als üble Touristenfalle. Ist es wirklich so schlimm? Bitte prüfen Sie das doch einmal nach, indem Sie sich betrügen lassen.
Na, na, na, wenn das nicht meine Chance ist: Auf der Jungmannova wächst vor meinem Füßen eine Frau von unauffälligem Alter aus dem Boden, ein frisch duftender Kurzhaarschnitt umrahmt das fast dezent geschminkte Gesicht, wären da nicht die knubbeligen Bäckchen, ganz schön rot gepudert, aber irgendwie passend zum feinen beigen Mantel, den die Frau mit ihrer Figur knuffig auspolstert. Freundlich fragt sie: “Tschkhjt grschtkjthrl?”.
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Im Jan Palach der Mode
Gertrud schreibt: Gehe in ein Bekleidungsgeschäft (z.B. in das große Kaufhaus am Wenzelsplatz, aber es darf auch ausgefallener sein!) und kleide dich dort im Prager Schick! Mindestens ein Outfit, gerne auch mehrere! Und das bitte fotografisch dokumentieren!
Wild entschlossen, liebe Gertrud, biege ich mitten im touristischen Epizentrum in einen Hinterhof ab und erklimme dort - flankiert von baumelnden T-Shirts - das Parazit. Dieser Laden stemme sich mutig gegen das brutal unterdrückerische Diktat der Modewelt, so habe ich gelesen, wahrscheinlich mit Hilfe sich selbst ausbeutender Jungdesignerinnen und Designstudentinnen, die allesamt meine Kinder sein könnten, so habe ich gedacht; dieser Laden, er sei der Jan Palach der Mode. Gut, aber wer ist jetzt noch mal Jan Palach? Ach so, herrje? Das ist doch der Student, der sich 1969 aus Protest gegen die einmarschierten Sowjets verbrannte. Und nun muss er herhalten für Lobpreisungen auf Modeläden? Nun ja. Nun nein. Dieser Jan Palach unter den Läden ist jedenfalls der Laden meiner Wahl.
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Das Tier
Doris schreibt: Lerne ein tschechisches Tier kennen (Augenfarbe, Anzahl der Beine, Vorlieben?) und fotografiere es!
Ha, liebe Doris, das ist simpel! Nämlich, da kratzt es schon an meinem Dachfenster, sicher ein tschechisches Tier, wer sonst? Ich springe hin, ich sehe Krallen, oho! Ich springe wieder weg, Fotoapparat schnappen (wo ist der denn? wo ist der denn? Ah hier!), ich springe wieder hin, die Krallen gucken, ich gucke, ich ziele, ich klicke, doch den Moment der digitalen Auslöseverzögerung nutzt die urtschechische Folkloretaube und ich hab den blauen Himmel auf dem Display.
Nächster Versuch: Zoo. (Jetzt aber mal auf Nummer sicher gehen!) Den ganzen Beitrag lesen »
Lieber Leser, bitte übernehmen Sie!
Ahoj! Bis Ende November blogge ich hier als ferngesteuerte Stipendiatin über jene Erlebnisse in Prag, die Sie, lieber Leser, mir zu erleben aufgeben. Warum das denn? Falls Sie wirklich alle Hintergründe genau erfahren wollen, dann klicken Sie bitte hier unten auf “Den ganzen Beitrag lesen”. Falls Sie jetzt aber denken “Ist mir doch egal. Ich probier das einfach mal aus”, dann schicken Sie mir einfach formlos einen Auftrag an sus_berkenheger@gmx.de. Ich freu mich drauf.
Vorab allerdings noch ein aktueller Hinweis: Die Resonanz auf eine erste kleine Rundmail an Freunde und Bekannte hat ergeben, dass es offenbar einen größeren, noch ungedeckten Bedarf an ferngesteuerten Stipendiaten gibt, so dass ich - kurz gesagt - wohl nicht alle Aufträge fachgerecht werde erledigen können. Mit Unterstützung einer Autoren oft nachgesagten Zauberkraft namens Fiktion hoffe ich aber, wenigstens einen guten Teil davon abarbeiten zu können. Den ganzen Beitrag lesen »

