Alena Zemančíková
Der Roman wurde durch ein Arbeitsstipendium des Prager Literarturhauses deutschsprachiger Autoren gefördert
Das Grab auf dem Zenralfriedhof ist genau so grau und armselig wie die Wohnung unserer Großmutter am Zwinger.
Als mein Bruder zum Militär musste, erhielten die Mieter in allen Häusern dieser historischen Straße die amtliche Kündigung. Und während mein Bruder sich noch durch die Grundausbildung quälte, starb die Großmutter. Die Katze wurde von einer Verwandten, einer Krankenschwester, geholt, doch ich kann mir nicht vorstellen, wie die beiden miteinander zurecht kommen, denn dieses Tier war alles andere als anpassungsfähig.
Die Wohnung mussten wir räumen, der Bruder bekam dafür sogar Urlaub vom Militär. Viele Sachen waren es nicht, aber auch das Wenige konnten wir nirgends unterbringen. Ein paar Schränke verschenkten wir an Freunde, dem besten, der uns bei allem geholfen und meinem Bruder früher einmal einen abgehackten Finger gerettet hatte, überließen wir den Lüster mit den drei rosa Klunkern, und er sagte, dass er ihn nur als geliehen betrachte. Den Spiegel trugen wir zu einem Liebespaar in der Nähe. Wir klingelten und schoben ihn so durch die Tür, dass der, der öffnen würde, sich selbst gegenüberstünde. Sie machten uns nackt auf. Wir lachten, obwohl alles sehr traurig war, und folgten ihrer Einladung auf ein paar Dalken, die uns vom Bett her entgegenwinkten, aus dem die beiden sich um vier Uhr nachmittags gerade erhoben.
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